Ein Mitarbeiter der Lappwaldbahn Gleisbau GmbH mäht am Bahnhof das wild wachsende Gras zwischen den Gleisen. Quelle: picture alliance / dpa

Es müssen mehr Bahnstrecken reaktiviert werden

Jahrelang haben Politiker und Manager dafür gesorgt, dass Bahnstrecken in Deutschland stillgelegt werden. Das war die mutmaßlich schlimmste Fehlentwicklung in der deutschen Verkehrspolitik – Zeit zum Umdenken, findet RND-Autor Frank-Thomas Wenzel.

Denn sie wissen nicht, was sie tun! Unter diesem Motto sind in den vergangenen Jahrzehnten Bahnstrecken stillgelegt worden. Es handelt sich um die mutmaßlich schlimmste Fehlentwicklung in der deutschen Verkehrspolitik. Politiker auf allen Ebenen und die Manager von Verkehrsverbünden haben dafür gesorgt, dass ganze Regionen vom Schienenverkehr abgehängt wurden. In den meisten Fällen ohne eine verlässliche Berechnungsgrundlage. Die Verantwortlichen machten es sich denkbar einfach: Auf schrumpfende Fahrgastzahlen wurde mit einer Ausdünnung des Angebots geantwortet. So kam eine Abwärtsspirale in Gang, die unweigerlich in der Stilllegung von Strecken mündete.

Schienen sind das zentrale Elemente für klimafreundlichen Verkehr

Höchst erstaunlich ist, dass der größte Betreiber von Schienennetzen, die DB Netz, erst im vorigen Jahr beschlossen hat, keine Infrastruktur mehr stillzulegen. Als wäre nicht schon lange vorher klar gewesen, dass Schienen das zentrale Element für einen klimafreundlichen Verkehr sind. Als hätte es nicht schon vorher Dutzende Studien gegeben, die nachweisen, dass reaktivierte Bahnstrecken ein enorm wichtiges Element sind, um Kommunen als Wohnorte und als Standorte für Unternehmen attraktiver zu machen. Besonders peinlich für Landräte, Bürgermeister und Landesregierungen ist, dass vielfach der Anstoß zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs nicht von den politisch Verantwortlichen, sondern von Bürgerinitiativen kam.

Die in den vergangenen Jahren reaktivierten Strecken sind fast ausnahmslos Erfolgsgeschichten. Mit ständig steigenden Fahrgastzahlen. Der Nachweis ist erbracht: Die Züge sind voll, wenn die Fahrpläne klug gestrickt werden. Das gilt auch für die Wochenenden, wenn Ausflügler nebst Fahrrad in die Züge steigen. Da ist es bemerkenswert, dass immer noch mittelgroße Städte mit insgesamt 1,8 Millionen Einwohnern keinen Bahnanschluss haben. Ganz zu schweigen von kleineren Kommunen.

Infrastruktur muss mit grünem Strom funktionieren

Die Schlussfolgerung kann nur sein: Mit hoher Priorität müssen weitere Strecken reaktiviert werden. Mit keinem anderen Infrastrukturprojekt können Politiker so viele Ziele gleichzeitig erzielen. Und wenn sie dann Trassen, Bahndämme, Brücken und Signalanlagen wieder herrichten, dann müssen diese auch gleich elektrifiziert werden, um klimaneutralen Verkehr mit grünem Fahrstrom zu ermöglichen. Es muss endlich klar werden, dass Schienen in unserer mobilen Welt genauso wichtig sind wie die Versorgung mit Strom oder mit sauberem Trinkwasser.

RND

Von Frank-Thomas Wenzel/RND