Die Corona-Krise macht Deutschlands Exportunternehmen schwer zu schaffen. (Symbolbild) Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Made in Germany: Was die Welt aus Deutschland kauft

Der Export ist eine starke Stütze der deutschen Konjunktur – trotz Corona. Im Mai zogen die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat auch schon wieder an. Wir zeigen, welche Güter im Jahr 2020 bisher besonders beliebt waren.

Hannover. Die deutschen Exporte brechen ein. Und sie ziehen an. Je nach Betrachtungsweise ergibt sich aus den Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag vorgelegt hat, ein anderes Bild. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sieht es tatsächlich düster aus: Um 29,7 Prozent brachen die Ausfuhren ein. Die Corona-Krise hat die exportorientierte Wirtschaft mit voller Wucht getroffen.

Blickt man beim Vergleich allerdings nur auf den April dieses Jahres, der als bisheriger Tiefpunkt galt, sieht die Lage schon wieder freundlicher aus: Die Statistiker vermeldeten ein Außenhandelsplus von 9 Prozent. Bloß eine Momentaufnahme oder schon Trendwende? Erste Anzeichen geben Grund zu vorsichtigem Optimismus: So legte auch die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 10 Prozent zu.

Der Export bleibt wichtige Konjunkturstütze

Gerade der Export ist und bleibt eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. “Made in Germany” gilt weltweit als Gütesiegel – und als Kaufgrund. Doch welche Produkte sind im Ausland besonders beliebt? Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat auf Basis der bisher vorliegenden Exportzahlen der Monate Januar bis April eine Top-5-Liste erstellt.

Platz 1: Maschinen

Egal ob Verbrennungsmotoren, Turbinen oder Öfen: Die Produkte, die Deutschlands Maschinenbauer auf den Markt bringen, sind weltweit stark gefragt. Waren im Wert von über 57 Milliarden Euro wurden im Zeitraum Januar bis April exportiert. Der Anteil der Maschinen an den Gesamtausfuhren lag damit bei 14,3 Prozent.

Platz 2: Kraftwagen und Kraftwagenteile

Die deutsche Autoindustrie befindet sich im Umbruch – weg vom Verbrenner, hin zu alternativen Antrieben wie Elektro und Wasserstoff. Doch der Umstieg ist teuer. Die Corona-Krise belastete die Konzerne zusätzlich. In der Exportbilanz bis April landen Autobauer und Zulieferer trotzdem auf Platz zwei. Mit einem Warenwert von 56 Milliarden Euro und einem Anteil am Gesamtexport von 14,1 Prozent liegt die deutsche Schlüsselindustrie fast gleichauf mit den Maschinenbauern.

Platz 3: Chemische Erzeugnisse

Die chemische Industrie ist ein wichtiger Pfeiler der deutschen Exportstärke. Klebstoffe, Düngemittel und Chemiefasern sind weltweit beliebt. Ausfuhren im Wert von fast 40 Milliarden Euro belegen die Stärke der Industrie. Der Gesamtanteil der Chemieprodukte am Export im ersten Jahresdrittel lag bei 9,8 Prozent.

Platz 4: Datenverarbeitungsgeräte

Die Kategorie Datenverarbeitungsgeräte umfasst nicht nur Computer und Speicherkarten. Auch Bankautomaten, Antennen, Feuermelder, Uhren, Waagen und Unterhaltungselektronik zählen dazu. Zwischen Januar und April exportierten die deutschen Hersteller Produkte im Wert von 35,6 Milliarden Euro. Das entspricht 8,9 Prozent der Ausfuhren insgesamt.

Platz 5: Sonstige Waren

“Streng geheim”: Das ist kein Vermerk aus einem Agentenfilm. Auch in der Außenhandelsbilanz befinden sich Güter, die auf Antrag der Im- oder Exporteure nicht öffentlich gemacht werden sollen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Unternehmen in einem bestimmten Warenbereich dominierend ist. Zwischen Januar und April lag der Wert dieser Ausfuhren bei 30,6 Milliarden Euro (Anteil: 7,6 Prozent).

Wie geht es im Jahresverlauf weiter mit dem Export?

Wie geht es nun im Jahresverlauf weiter mit den Exportzahlen? Erholt sich die deutsche Konjunktur doch schneller als gedacht? Trotz erster Lichtblicke bei den Mai-Zahlen bleibt die Wirtschaft im Krisenmodus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnen im Gesamtjahr mit einem Rückgang der Ausfuhren um 15 Prozent.

“Der leichte Exportanstieg im Mai gegenüber dem katastrophalen Aprilwert lässt die deutschen Exporteure noch lange nicht aufatmen”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Und auch die Bilanz der ersten vier Monate des Jahres fällt dramatisch aus. Die Ausfuhren sanken um 14,1 Prozent auf 481,0 Milliarden Euro.

Oder anders gesagt: Der Weg zurück auf das Niveau vor der Krise bleibt lang und beschwerlich – trotz erster Hoffnungsschimmer.

RND/fh