Die Deutsche Bank, immer wieder in Skandale verwickelt. Quelle: Richard Drew/AP/dpa

Epstein, Schwarzgeld, Zinsbetrug: Die größten Skandale der Deutschen Bank

Deutschlands größtes Bankhaus ist wieder einmal in einen Skandal verwickelt. Der Deutschen Bank kommen ihre Geschäfte mit dem US-Unternehmer Jeffrey Epstein wegen diverser Regelverstöße teuer zu stehen. Am Ende stehen 150 Millionen Dollar an Strafe – im Vergleich zu den Milliardenzahlungen in der Vergangenheit sind das fast schon Peanuts.

Frankfurt. Die Deutsche Bank ist als erster Finanzkonzern für ihre Rolle im Missbrauchsskandal um den US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein zur Rechenschaft gezogen worden. Deutschlands größtes Geldinstitut muss wegen seiner Geschäfte mit dem wegen Sexualverbrechen verurteilten und inzwischen gestorbenen US-Unternehmer Epstein eine Strafe von 150 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) zahlen.

Lange Liste an Strafzahlungen

Die New Yorker Finanzaufsicht warf der Bank erhebliche Regelverstöße in Zusammenhang mit ihren Geschäftsbeziehungen zu Epstein vor. Außerdem wurde das Institut für seine Verbindungen zur Danske Bank und zur FBME Bank bestraft, die im Zentrum von Geldwäscheskandalen standen. “Es war ein Fehler, Jeffrey Epstein 2013 als Kunden anzunehmen”, teilte die Deutsche Bank mit. Das Unternehmen erkenne die festgestellten Schwächen in ihren Prozessen an und habe aus den Fehlern gelernt.

Die jüngste Strafzahlung ist nur eine weitere in der langen Liste an Skandalen, mit denen die Deutsche Bank in den vergangenen 15 Jahren in die Schlagzeilen geraten ist. Die aktuelle Summe von 150 Millionen Euro ist Peanuts im Vergleich zu Summen, die der Dax-Konzern in der Vergangenheit bereits zahlen musste.

Dubiose US-Hypothekengeschäfte

Der bisher größte Skandal der Deutschen Bank hängt mit der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 zusammen.

Amerikanische Behörden haben die Deutsche Bank im Nachhinein verklagt, weil sie es als erwiesen angesehen haben, dass “die Deutsche” am US-Immobilienmarkt ausfallgefährdete Hypotheken aufkaufte, diese in sehr komplexen Finanzprodukten bündelte und diese Bonds wiederum als sichere Anlageinvestments verkaufte. Die Subprime-Krise um die US-Baufinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae ließ die Kurse der besagten Bonds einbrechen.

Im Jahr 2013 musste die Deutsche Bank in einem ersten Verfahren 1,9 Milliarden Dollar an Strafe zahlen. Vier Jahre später, 2017, einigte man sich dann mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich von 7,2 Milliarden Dollar, um das Kapitel US-Hypothekengeschäfte zu schließen.

Russische Geldwäsche

Gemessen am Vergleich mit dem US-Justizministerium sind die Strafgelder für den nächsten großen Skandal der Deutschen Bank noch sehr niedrig gewesen:

Der Deutschen Bank wurde vorgeworfen, dass ihre Kunden seit dem Jahr 2011 mit Aktiengeschäften über das deutsche Geldinstitut Schwarzgeld in russischen Rubel in Höhe von rund 10 Milliarden Dollar gewaschen haben. Es ging um Transaktionen in Moskau und London.

Am Ende gestand die Deutsche Bank ein, dass es sich um ein großes Volumen handelte. Da es um US-Dollar-Transaktionen ging, kamen auch die US-Behörden ins Spiel, und die Deutsche Bank musste am Ende 600 Millionen Dollar Strafe zahlen und machte in der Folge das Investmentbanking in Russland dicht.

Der Libor- und Euribor-Skandal

2013 verhängte die EU-Kommission eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, weil diese die wichtigen Referenzzinssätze wie Euribor und Libor manipuliert haben.

Euribor ist eine Abkürzung und steht für Euro Interbank Offered Rate. Er bezeichnet die durchschnittlichen Zinssätze, zu denen viele europäische Banken sich untereinander Anleihen in Euro mit verschiedenen Laufzeiten gewähren. Der Libor wiederum dient als Basis für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 550 Billionen Dollar und wird bei vielen Transaktionen wie Hypotheken oder Derivaten benutzt.

Die Abkürzung Libor steht für London Interbank Offered Rate. In den Jahren 2005 bis 2008 hatten demnach Mitarbeiter mehrerer Großbanken diese beiden wichtigen Referenzzinsen untereinander abgesprochen. Beteiligt waren auch Deutsche-Bank-Mitarbeiter. Am Ende wurden die Banken, darunter auch die französische Crédit Agricole, die britische HSBC und die US-Bank JPMorgan Chase zu Strafzahlungen von 1,7 Milliarden Euro verdonnert. Die größte Einzelsumme kam auf die Deutsche Bank zu: 725 Millionen Euro musste das Dax-Unternehmen zahlen. Doch damit nicht genug. Amerikanische und britische Behörden setzten noch einen obendrauf und verdonnerten die Deutsche Bank zu einer weiteren Strafe in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar.

Die Iran-Connection

Im Vergleich zum Euribor- und Hypothekenskandal ist die Strafsumme wegen der Iran-Sache der Deutschen Bank 2015 dann wiederum ziemlich gering.

Die Deutsche Bank zahlte eine Summe von 260 Millionen Dollar, weil das Institut beschuldigt wurde, gegen das Embargo der Amerikaner verstoßen zu haben, das die Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt gegen Länder wie den Iran verhängt hatten.

Viel an Reputation und Börsenwert verloren

Die Liste der Strafzahlungen der Deutschen Bank ist deutlich länger. Fakt ist, dass das Geldinstitut wegen seiner Skandale nicht nur viel an Reputation bei Kunden verloren hat. Auch an der Börse hat die Deutsche Bank seit mehr als einem Jahrzehnt viel an Wert verloren.

Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre verlor der Aktienkurs mehr als 75 Prozent, auf Sicht von zwei Jahrzehnten liegt das Minus bei katastrophalen 85 Prozent. Wer hingegen seit einem Jahr Aktionär des Geldhauses ist, konnte sich bisher trotz Corona-Krise nicht beklagen: Auf dem Kurszettel steht ein Plus von mehr als 25 Prozent.

Von Christoph Scherbaum/RND