Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna, Spaniens Wirtschaftsministerin Nadia Calviño und der irische Finanzminister Paschal Donohoe: Das sind die drei Kandidaten für den Posten des Eurogruppenchefs. Quelle: imago images/Xinhua/images/Agencia EFE/dpa/RND Montage Behrens

Eurogruppe wählt neuen Chef – das sind die drei Kandidaten

Der portugiesische Finanzminister Mario Centeno gibt sein Amt als Eurogruppenchef nach zweieinhalb Jahren ab. Nun wird dessen Nachfolger gewählt. Drei Kandidaten stehen zur Wahl, wir stellen sie vor.

Brüssel. Die Eurogruppe wählt am Donnerstag einen neuen Chef - oder erstmals eine Chefin. Im Rennen um den einflussreichen Posten sind die Spanierin Nadia Calviño, der Ire Paschal Donohoe und der Luxemburger Pierre Gramegna. Sie bewerben sich um die Nachfolge des portugiesischen Finanzministers Mario Centeno, der das Amt nach zweieinhalb Jahren abgibt.

Die Eurogruppe ist ein informelles Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister aus den 19 Staaten der Währungszone. Sie beraten normalerweise einmal im Monat und koordinieren sich in Fragen der gemeinsamen Währung. Der oder die Vorsitzende wird immer für zweieinhalb Jahre gewählt, kann sich aber mehrmals bewerben. Centeno verzichtete, zumal er auch sein Ministeramt abgab.

Nötig sind zur Wahl mindestens zehn von 19 Stimmen. Die Minister votieren bei der Videokonferenz mit Hilfe einer App geheim. Wir stellen die drei Kandidaten vor.

Nadia Calviño

Spaniens Wirtschaftsministerin und Vize-Regierungschefin hat vor ihrem Regierungsamt langjährige Erfahrungen in der EU-Kommission gesammelt. Die studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlerin und Mutter von vier Kindern war in Brüssel unter anderem Generaldirektorin für Haushaltsplanung. Als Ministerin profilierte sie sich zuletzt in der Debatte um EU-Milliardenpakete in der Corona-Krise.

Die 51-Jährige wäre die erste Frau an der Spitze des einflussreichen Gremiums. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) soll große Stücke auf die Spanierin halten. Für Calviño spricht zudem, dass sie wie der scheidende Eurogruppenchef Centeno aus einer sozialdemokratischen Partei und aus einem Land im Süden der EU kommt. Ihre Wahl würde somit das komplizierte Gleichgewicht zwischen Nord und Süd und zwischen den politischen Lagern nicht verändern.

Paschal Donohoe

Der 45-jährige Politiker der bürgerlichen Partei Fine Gael ist seit Juni 2017 Finanzminister seines Landes und war vorher unter anderem Verkehrs- und Europaminister. Seine Zukunft schien während der langwierigen irischen Regierungsbildung zeitweise unsicher. Erst kürzlich einigten sich seine Fine Gael mit der ebenfalls bürgerlichen Fianna Fail und den Grünen auf einen Koalitionsvertrag. Die christdemokratische Parteienfamilie Europäische Volkspartei stellte sich hinter seine Kandidatur.

Der verheiratete Vater zweier Kinder hat einen Abschluss in Politik und Wirtschaft von der University of Dublin. In seiner Bewerbung beschrieb er sich als "starke irische und europäische Stimme im Zentrum der EU Wirtschaftspolitik" und als Brückenbauer. Sein Land war in der Eurokrise zeitweise auf Hilfen der Europartner angewiesen. Durch die EU-Mitgliedschaft hätten sich Wirtschaft und Gesellschaft Irlands so stark verändert, dass sie kaum wiederzuerkennen seien, schrieb Donohoe.

Pierre Gramegna

Der 62-jährige Liberale bringt von den drei Bewerbern die meiste Regierungserfahrung mit: Seit Dezember 2013 ist er Finanzminister von Luxemburg, das mit einer lange sehr liberalen und umstrittenen Steuerpolitik Investoren aus aller Welt anzog. Der verheiratete Vater zweier Kinder hat unter anderem in Paris Wirtschaft und Recht studiert und war zeitweise Diplomat für sein Land. Er wirbt für sich als Reformpolitiker: Er habe auf einen ausgeglichenen Haushalt hingearbeitet und das luxemburgische Steuerrecht mit internationalen Transparenzregeln in Einklang gebracht.

In seiner Bewerbung hieß es auch, in der beispiellosen Corona-Krise sei mehr Solidarität gefordert, um eine gleichmäßige wirtschaftliche Erholung in Europa zuwege zu bringen. Auch Gramegna spricht vom Brückenbauen: "Als Präsident der Eurogruppe würde ich den Konsens suchen und darauf abzielen, Brücken zwischen Norden und Süden, Osten und Westen zu bauen und dabei kleine und große Mitgliedsstaaten gleichermaßen fair zu behandeln."

RND/dpa