Mittwoch , 12. August 2020
Frauen verdienen bei gleicher Beschäftigung im Durchschnitt immer noch mehr als 20 Prozent weniger als Männer. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Zahlen, Daten, Fakten: So steht es wirklich um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland

Die Bundesregierung will künftig bei allen Gesetzen und Förderprogrammen die Gleichstellung von Frauen und Männern berücksichtigen. Ein Blick in diverse Statistiken zeigt: Ungleichheit gibt es in Deutschland noch in vielen Bereichen.

In Deutschland leben 42,1 Millionen Frauen. Das ist etwas mehr als die Hälfte der 83,2 Millionen Einwohner. Doch im Alltag, im Beruf, in Kultur, Politik und Wirtschaft ist man an vielen Stellen sehr weit entfernt von dieser Ausgewogenheit. Stattdessen bilden in vielen Bereichen Männer die Überzahl – besonders in Bereichen, in denen es um Status, Geld und Verantwortung geht.

Es gab und gibt diverse Anstrengungen, das zu ändern. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Gleichstellungsstrategie zur Chancengleichheit von Frauen und Männern in Deutschland beschlossen. Das Ziel ist es, dass die Bundesregierung bei allen Gesetzen und Förderprogrammen – egal aus welchem Ministerium sie stammen – die Gleichstellung von Frauen berücksichtigt. Dabei geht es zum Beispiel um gleichen Verdienst für gleiche Arbeit, aber auch um die Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit oder Repräsentanz in Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.

Die Zahl an Statistiken, die die mangelhafte Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland verdeutlicht, ist groß. Eine Auswahl:

Bezahlte und unbezahlte Arbeit

Arbeit und Einkommen sind in Deutschland ungleich verteilt. Der Großteil der Frauen in Deutschland ist erwerbstätig: Laut Statistischem Bundesamt waren in Deutschland im Jahr 2018 76 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren in Deutschland erwerbstätig.

Während Frauen öfter in Teilzeit arbeiten, sind Männer häufig Vollzeit beschäftigt. Das ist besonders dann der Fall, wenn Frauen Kinder haben: Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2018 66,2 Prozent der Frauen mit minderjährigen Kindern in Teilzeit. Bei den Männern waren es nur 5,8 Prozent. Das hat massive Auswirkungen auf das Einkommen: Während sich die Lebenserwerbseinkommen von kinderlosen Frauen immer mehr denen von Männern annähern, muss eine Frau im Laufe ihres Berufslebens auf bis zu 70 Prozent des Einkommens verzichten, sollte sie Mutter werden. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. “Ein entscheidender Grund hierfür ist, dass in Deutschland immer noch das Modell des männlichen Ernährers oder aber das Modell der weiblichen Zuverdienerin dominieren”, erklärte Studienautorin Valentina Sara Consiglio im Interview mit dem RND.

Ein wichtiges Indiz für die mangelnde Gleichbehandlung von Frauen und Männern ist der sogenannte Gender Pay Gap. 2018 lag der Bruttostundenverdienst von Frauen um 21 Prozent niedriger als der von Männern, wie das Statistische Bundesamt zeigt. Dabei handelt es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap.

Die Unterschiede sind je nach Branche sehr verschieden. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigte beispielsweise kürzlich, dass im Verkauf, Vertrieb und in Banken Frauen bei gleicher Leistung und Berufserfahrung deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Auch hierbei spielt die Tatsache, dass Frauen in Deutschland mehr Care-Arbeit als Männer leisten, eine Rolle. “Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist”, sagte die Mitautorin Karin Schulze Buschoff.

Genau diese Ungleichheit bringt unter anderem der sogenannte Gender Care Gap zum Ausdruck: Demnach verwenden Frauen pro Tag im Durchschnitt 52,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer, wie das Familienministerium 2019 mitteilte. 2018 waren auch etwa gut drei Viertel der Elterngeldbezieher in Deutschland Frauen. Sie beantragten das Elterngeld im Schnitt für 14,2 Monate – Väter dagegen im Schnitt nur für 3,8 Monate.

Viele Experten sagen, dass zum Schließen der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen auch die unbezahlte Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gleichberechtigt und fair verteilt sein muss.

Frauen in Führungspositionen

Obwohl ein Großteil der Frauen berufstätig ist, spiegelt sich das nicht in den Führungsetagen der großen Unternehmen wider. Der Anteil von Frauen in den Dax-30-Unternehmen ist zwar in den vergangen Jahren kontinuierlich gestiegen, lag aber 2019 trotzdem nur bei 14,7 Prozent.

Nach einer aktuellen Auswertung der Organisation “Frauen in die Aufsichtsräte” (Fidar) war Ende April fast jeder dritte Aufsichtsratsposten in den 188 größten börsennotierten deutschen Unternehmen mit einer Frau besetzt. In den Vorständen dominierten die Männer mit fast 90 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Frauenanteil in beiden Kategorien nur um maximal 1,5 Prozentpunkte zu.

Aber auch fernab der großen Dax-Unternehmen sind Frauen in der Minderheit: Laut dem Female Founders Monitors 2019 sind nur 15,1 Prozent der deutschen Start-up-Gründer Frauen. Und auch in Familienunternehmen ist der Frauenanteil marginal: So kam eine Untersuchung der AllBright-Stiftung vor Kurzem zu dem Ergebnis, dass der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Anfang März bei knapp 7 Prozent lag.

Frauen an den Hochschulen

Die Zahl der hauptberuflichen Professorinnen an deutschen Hochschulen hat von 1999 bis 2018 beständig zugenommen. Trotzdem sind Frauen weiterhin in der Unterzahl: 2018 gab es laut Statistischem Bundesamt 36.224 hauptberufliche Professoren an deutschen Unis, aber nur 11.904 weibliche. Das ist insofern bemerkenswert, als die Zahl der Frauen im Laufe der akademischen Laufbahn sinkt. Während die Geschlechterverhältnisse bei den Studierenden und Absolventen ausgeglichen ist, nimmt sie mit Promotion, Habilitation und dann hauptberuflicher Tätigkeit ab.

Frauen im Bundestag

Die Bundeskanzlerin ist eine Frau, die EU-Kommissionspräsidentin auch. Auch das Kabinett ist fast paritätisch besetzt. Im Bundestag selbst ist das Verhältnis jedoch nicht ausgewogen: Von den insgesamt 709 Abgeordneten waren, Stand Juli 2019, 221 Frauen.

Die Unterschiede zwischen den Fraktionen sind teilweise sehr deutlich.

Mit dpa

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Anna Schughart/RND