Samstag , 24. Oktober 2020
Mitten in der Corona-Krise und vor massivem Stellenabbau bei der Lkw-Marke MAN gehen der Traton-Chef und andere Topmanager. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Volkswagen: Vorstandsbeben bei der Lastwagentochter

Andreas Renschler hat sich Feinde gemacht.

Nach einem Zerwürfnis mit Managerkollegen und dem Betriebsrat war der Abgang von Traton-Chef Andreas Renschler beschlossene Sache. Dennoch ist es ein Paukenschlag, dass der 62-Jährige nun schon in einer Woche aus allen Ämtern scheidet. Es geschehe “im besten gegenseitigen Einvernehmen” erklärten der Traton-Aufsichtsrat und Konzernmutter VW. “Andreas Renschler hat maßgeblichen Anteil an dem erfolgreichen Kurs, den Traton eingeschlagen hat”, lobte Hans Dieter Pötsch als Traton-Oberaufseher.

Intern wurde zuletzt dagegen wenig Schmeichelhaftes über den ehemaligen Daimler-Manager erzählt. Mit Kollegen der Traton-Marken MAN in München und Scania in Schweden hatte Renschler es sich verdorben, als er die Lkw-Entwicklung zentralisieren und damit die Macht der Marken beschneiden wollte. Dazu kam offener Streit mit dem MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris, der auch im übergeordneten Traton-Betriebsrat sitzt. Denn Renschler hatte behauptet, trotz des Ausbruchs der Pandemie weiter über einen Abbau von mutmaßlich 6.000 Stellen bei der margenschwachen MAN zu verhandeln, was Arbeitnehmervertreter als Notwendigkeit anerkannt hätten.

Traton-Chef wird Matthias Gründler

In einer Zeit, wo sich das Coronavirus verbreitet, der Sicherheit des Personals allgemein höchste Priorität zugeordnet wurde und staatliche Schutzschirme über Unternehmen aufgespannt wurden, um Jobabbau zu verhindern, kam das beim Personal nicht gut an. Zudem war es offenbar falsch. Es werde nicht verhandelt, betonte Stimoniaris. “Wir setzen uns momentan nicht an den Tisch”, stellte er zudem klar. Damit hatte es sich der Mann, der Traton vor zwei Jahren an die Börse geführt hatte, intern auf allen Ebenen verscherzt.

Als Traton-Chef wird er kommende Woche von Matthias Gründler ersetzt, der bis 2018 dort schon einmal Finanzchef war und das Unternehmen kennt. Er sei einer der erfahrensten Kenner der Branche, meinte Pötsch zu seiner Bestellung. Gründler zieht für Renschler auch in den VW-Vorstand ein. Mit MAN-Chef Joachim Drees muss noch ein zweiter Topmanager gehen. Auf ihn folgt der bisherige VW-Produktionschef Andreas Tostmann. Auch der Traton-Personalchef Carsten Intra scheidet aus, wechselt im Gegensatz zu Renschler und Drees aber in einen anderen Posten zum Mutterkonzern VW. Er wird dort Chef der leichten VW-Nutzfahrzeugsparte in Hannover. Mit dem MAN-Eigengewächs Martin Rabe erhält Intra nur einen Nachfolger in seiner zweiten Funktion als MAN-Personalchef. Auf Traton-Ebene wird die Zuständigkeit für das Personal auf die verbleibenden Vorstände verteilt.

Stellenabbau nach Ende der Corona-Pandemie?

Die Personalrochaden bei Traton und MAN betreffen damit alle Schlüsselpositionen und den Personalbereich, der beim geplanten Stellenabbau spätestens nach dem Ende der Pandemie wieder im Fokus stehen dürfte. Vor allem Renschler dürfte sich seinen Abschied anders vorgestellt haben. Mit 62 Jahren könnte das Aus bei Traton sogar das Ende seiner Karriere markieren. Auch für Börsianer kommt Renschlers rascher Abgang überraschend. Traton sei in den vergangenen Jahren sehr auf ihn zugeschnitten worden, erinnert NordLB-Analyst Frank Schwope.

Vor allem auf Renschlers Initiative hin sei Traton 2018 eilig an die Börse gebracht worden, noch bevor man wesentliche Synergien zwischen den dominierenden LKw-Marken MAN und Scania heben konnte. Das zu tun und Kosten in Milliardenhöhe zu sparen, sei nun Aufgabe seines Nachfolgers und des neuen MAN-Chefs. Schwope hält es zudem nicht für ausgeschlossen, dass das Vorstandsbeben in der VW-Schwerlastwagensparte nur der Auftakt für weitere Veränderungen im VW-Toppersonal ist. In Wolfsburg wird seit einiger Zeit über die Zukunft von Konzernchef Herbert Diess spekuliert.

Von Thomas Magenheim/RND