Freitag , 25. September 2020
Der Commerzbank-Aufsichtsrat steht vor kniffeligen Personalentscheidungen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Wer führt künftig die Commerzbank?

Der Aufsichtsrat der Commerzbank muss kniffelige Personalentscheidungen treffen: Gleich zwei Spitzenpositionen sind neu zu besetzen, bevor über die Verschärfung des Sparprogramms entschieden werden kann. Vorab wurde bekannt, dass Commerzbank-Chef Zielke bei seinem Abgang auf 1,5 Millionen Euro verzichten möchte.

Frankfurt/Main. Der Aufsichtsrat der Commerzbank steht vor schwierigen Personalentscheidungen. Nachdem sowohl Vorstandschef Martin Zielke als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann ihren Rücktritt angekündigt haben, müssen gleich zwei Spitzenpositionen bei dem teilverstaatlichten Frankfurter MDax-Konzern neu besetzt werden – und das möglichst rasch, denn die Bank steckt mitten in einer Diskussion über eine Verschärfung des im Herbst eingeleiteten Sparkurses.

Ob bei der Sitzung des Kontrollgremiums am Mittwoch (9.00 Uhr) bereits eine dauerhafte Lösung für den Aufsichtsratsvorsitz gefunden wird, ist ungewiss. Die Zeit drängt: Amtsinhaber Schmittmann will sein Mandat zum 3. August niederlegen.

Zielke will auf 1,5 Millionen verzichten

Zielkes Vertrag soll nach Angaben vom vergangenen Freitag spätestens zum 31. Dezember 2020 einvernehmlich aufgelöst werden.

Er kündigte an, dem Institut im Fall einer vorzeitigen Auflösung seines Vertrages finanziell entgegenkommen zu wollen. Zielke habe intern angekündigt, bei seinem Abschied auf eine variable Vergütung von rund 1,5 Millionen Euro zu verzichten, die ihm vertraglich eigentlich zustehen würde. Entsprechende Informationen des “Handelsblattes” (Mittwoch) wurden der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Finanzkreisen bestätigt.

Abhängig von seinem genauen Austrittstermin wird Zielke voraussichtlich dennoch einen mittleren einstelligen Millionenbetrag erhalten: Sein Vertrag sieht vor, dass er sein jährliches Grundgehalt von zuletzt gut 1,67 Millionen Euro bis zum Ende der Laufzeit des Kontraktes weiterhin bezahlt bekommt. Die Commerzbank wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

“Über Jahre eklatant versagt”

Als aussichtsreiche Kandidaten für seine Nachfolge als Chief Executive Officer (CEO) gelten der seit Januar als Firmenkundenvorstand tätige Roland Boekhout – ehemals Chef der Direktbank ING-Diba (heute ING Deutschland) – sowie Finanzvorständin Bettina Orlopp.

Zielke und Schmittmann reagieren mit ihrem Rückzug auf heftige Kritik von Investoren – namentlich des Großaktionärs Cerberus – am Kurs der Bank. Der US-Fonds, der gut fünf Prozent der Anteile hält, hatte der Führung vorgeworfen, „über Jahre eklatant versagt“ zu haben. Cerberus ist nach dem deutschen Staat zweitgrößter Aktionär der Commerzbank.

Zielke: Tiefgreifender Umbau nötig

Zielke räumte ein, dass die im Herbst beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um die Bank im Zinstief profitabler zu machen. Der seit Mai 2016 amtierende Manager verkündete, er wolle nun den Weg für einen Neuanfang frei machen: Nötig sei ein tiefgreifender Umbau und dafür ein neuer Vorstandschef, „der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt“.

Der oder die Neue an der Spitze des Vorstands wird drastische Einschnitte vorantreiben müssen. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach Pläne, die Zahl der zuletzt knapp 40.000 Vollzeitstellen um bis zu ein Viertel zu verringern. Das Filialnetz soll erheblich verkleinert werden: Von ursprünglich 1000 Standorten könnten demnach gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Aber auch das Auslandsgeschäft soll eingedampft werden – nach dem Motto “weniger Masse, mehr Klasse”. Dies könnte 1000 bis 1500 Vollzeitstellen im Firmenkundenbereich kosten.

RND/dpa