Montag , 19. Oktober 2020
Durch die Schließung mehrerer Großschlachtereien könnte es zu überfüllten Ställen kommen, fürchten Tierärzte. Quelle: imago images/Countrypixel

Schlachthof-Schließungen: Tierärzte warnen vor überfüllten Ställen

Die Corona-Ausbrüche bei Großschlachtereien in Deutschland haben auch Auswirkungen auf die Zulieferer. Betriebe wie Tönnies und Wiesenhof mussten schließen, weil sich tausende Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert hatten. Das könnte nun zu Tierschutzproblemen führen.

Berlin. Tierärzte warnen angesichts geschlossener Schlachthöfe und verringerter Schlachtkapazitäten in der Corona-Krise vor überfüllten Ställen und längeren Transporten für die Tiere. Durch den Wegfall von mehreren zehntausend Schlachtungen pro Tag ergäben sich „große Tierschutzprobleme“, teilte die Bundestierärztekammer am Montag mit.

Enger besetzte und überfüllte Ställe könnten besonders bei sommerlichen Temperaturen zu Kreislaufbelastung für Tiere führen. “Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden”, warnten die Experten. Die Transportwege zu anderen Schlachtstätten würden “deutlich länger”.

Weniger Mitarbeiter und Abstandsregeln erschweren Kompensation

„Fehlende Schlachtkapazitäten durch andere Standorte zu kompensieren, ist nur schwer möglich: Die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln haben bereits deutliche Kapazitätseinbußen zur Folge“, teilte die Bundestierärztekammer mit. Aufgrund der branchenweiten Tests und zahlreicher offener Testergebnisse stünden weniger Mitarbeiter zur Verfügung. Es sei zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitze. Die Bundesregierung müsse umgehend einen Krisengipfel einberufen, um mit Tierärzten, Landwirten, Schlachthofbetreibern und Behörden Lösungen zu finden.

Mehrere Betriebe wegen Coronavirus geschlossen

Eine Sprecherin der für Tierwohl zuständigen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bestätigte, dass es ein „Riesenproblem für Landwirte“ gebe aufgrund der geringeren Schlachtkapazitäten. Es werde an einer Lösung gearbeitet, Konkretes dazu gebe es aber noch nicht.

Nachdem sich Corona-Infektionen in mehreren Schlachthöfen gehäuft hatten, sind Betriebe teils geschlossen. In anderen sollen die Mitarbeiter nun häufig auf das Virus getestet werden.

RND/dpa