Freitag , 30. Oktober 2020
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat des Kreises Gütersloh. Quelle: Federico Gambarini/dpa

Gütersloher Landrat: Hygienekonzept von Tönnies unzureichend

Im Kreis Gütersloh gehen die Neuinfektionen weiter zurück. Nun wird über die Bedingungen der Wiederaufnahme der Produktion bei Tönnies geredet. In der Nacht zu Mittwoch könnte Schluss sein mit den regionalen Einschränkungen.

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück. Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer rechnet nicht mit einem kurzfristigen Hochfahren der Produktion im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

“Das Konzept, das die Firma vorgelegt hat, beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen, die geklärt werden müssen. Also bis der Betrieb wieder anläuft, kann es noch dauern!”, sagte der CDU-Politiker am Montag unmittelbar vor einem Treffen von Vertretern der Behörden und des Unternehmens im Kreishaus.

Seit Montagmorgen sprechen Vertreter der Bezirksregierung, des Kreises und der Stadt Rheda-Wiedenbrück über das von Tönnies in der vergangenen Woche vorgelegte Hygiene-Konzept. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hatte die Schließungsverfügung der gesamten Schlacht- und Fleischfabrik bis zum 17. Juli verlängert. Mit einem Ergebnis wird in Verhandlungskreisen erst in den nächsten Tagen gerechnet.

Das Unternehmen kann einen Antrag stellen, dass die Verfügung für einzelne Bereiche aufgehoben werden soll. Voraussetzung ist ein Konzept zum Gesundheits- und Arbeitsschutz, das den Vorgaben der Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen entspricht.

Hintergrund sind über 1000 positiv auf das Coronavirus getestete Tönnies-Mitarbeiter am Standort in Rheda-Wiedenbrück. Die Befunde hatten zu regionalen Einschränkungen im öffentlichen Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf geführt.

Für den Kreis Gütersloh gelten die Einschränkungen noch bis in die Nacht auf Mittwoch 0 Uhr. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner im Kreis in den vergangenen sieben Tagen war zuletzt weiter gesunken.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 50,5 und damit nur noch knapp über dem Grenzwert von 50, bei dem regionale Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie in Betracht gezogen werden müssen.

Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Für den benachbarten Kreis Warendorf waren die erneuten Einschränkungen im öffentlichen Leben Ende Juni aufgehoben worden.

Tierärzte warnen angesichts geschlossener Schlachthöfe und verringerter Schlachtkapazitäten vor überfüllten Ställen und längeren Tiertransporten. Durch den Wegfall von mehreren Zehntausend Schlachtungen pro Tag ergäben sich „große Tierschutzprobleme“, teilte die Bundestierärztekammer am Montag mit.

Enger besetzte und überfüllte Ställe könnten besonders bei sommerlichen Temperaturen zu Kreislaufbelastungen für Tiere führen. “Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden”, warnten die Experten. Die Transportwege zu anderen Schlachtstätten würden “deutlich länger”.

RND/cle/dpa