Bundesweit gesehen ist Strom auf dem Land zwei Prozent oder etwa 25 Euro teurer als in der Stadt, haben Marktexperten berechnet. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Strompreise: Auf dem Land oft teurer als in der Stadt

Wer im ländlichen Raum wohnt, muss in der Regel etwas mehr für Strom zahlen als Städter. Bundesweit gesehen ist Strom auf dem Land zwei Prozent oder etwa 25 Euro teurer als in der Stadt. Das zeigen Berechnungen eines Vergleichsportals. In einem Bundesland gibt es besonders hohe Preisunterschiede.

München/Frankfurt/Main. Anders als in den meisten Bundesländern müssen Hessen in Städten etwas mehr für ihren Strom bezahlen als auf dem Land. Nach Berechnungen des Vergleichs- und Vermittlungsportals Check24 macht das aber in dem Bundesland bei einem Jahresverbrauch von 4250 Kilowattstunden lediglich eine Differenz von gut einem Euro aus. In der Stadt werden der Rechnung zufolge 1300,93 fällig, auf dem Land 1299,86 Euro. Bundesweit gesehen ist Strom auf dem Land zwei Prozent oder etwa 25 Euro teurer als in der Stadt.

Den höchsten Preisunterschied in den einzelnen Bundesländern gibt es demnach in Mecklenburg-Vorpommern, wo Haushalte auf dem Land für 4250 Kilowattstunden durchschnittlich 117 Euro mehr zahlten als in der Stadt. Das sei ein Preisplus von 9 Prozent. In Schleswig-Holstein müssten Haushalte im ländlichen Raum knapp 80 Euro mehr zahlen. In den meisten anderen Bundesländern sei das Gefälle beim Strompreis geringer. Außer in Hessen ist auch in Thüringen Strom der Analyse zufolge in der Stadt leicht teurer.

Warum gibt es unterschiedliche Strompreise?

Ein Grund für die Preisunterschiede seien die Netznutzungsentgelte, betonen die Marktbeobachter von Check24. Sie machen rund ein Viertel des Strompreises aus. In weniger stark bewohnten Gebieten würden die Kosten auf weniger Einwohner verteilt und fielen deshalb pro Haushalt höher aus.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind die Kosten für die Stromleitungen vor allem in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern relativ hoch. Die niedrigsten Netzkosten hatten dagegen im Jahr 2019 die Haushalte in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen auf ihrer Stromrechnung.

Die Ursachen für die verschieden hohen Netzentgelte seien vielschichtig, betont die Netzagentur. So seien die Netze in den neuen Bundesländern zu groß dimensioniert und deshalb teilweise nicht genügend ausgelastet. Ältere Netze mit geringen Restwerten führen zudem zu geringeren Kosten als neue Netze. Auch die Kosten für die Integration der erneuerbaren Energien in das Stromnetz sind unterschiedlich hoch. Viele Investitionen der Energiewende werden auf dem Land getätigt. Die Ausgaben für den Anschluss von Wind- und Solaranlagen werden vielfach auf die Stromkunden des örtlichen Verteilnetzes umgelegt.

Seit 2019 werden die Entgelte für die großen Übertragungsnetze, die einen Teil der gesamten Leitungskosten ausmachen, bundesweit vereinheitlicht. Ab dem 1. Januar 2023 sollen sie in Deutschland überall gleich hoch sein.

dpa