Dienstag , 20. Oktober 2020
Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke hat dem Unternehmen seinen Abschied angeboten. (Archiv) Quelle: imago images/STAR-MEDIA

Überraschender Rückzug: Commerzbank sucht neue Führung

Von allen Seiten bekam Konzernchef Martin Zielke zuletzt Druck. Jetzt geben er und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann auf. Gesucht wird eine neue Führung, um die Dauerkrise der Bank zu beenden.

Frankfurt. Die Commerzbank-Führung wirft das Handtuch. In einer Sitzung der Aufsichtsratsspitze am Freitagnachmittag hat Vorstandschef Martin Zielke seinen Abschied angeboten. Über Details werde noch verhandelt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung, aber spätestens zum Jahresende soll Zielke gehen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann, ein früherer Commerzbank-Manager, hat seinen Termin bereits festgelegt: Mit Wirkung zum 3. August legt er sein Amt nieder.

Zu möglichen Nachfolgern äußerte sich die Bank in ihrer Mitteilung, die nach Börsenschluss veröffentlicht wurde, ebenso wenig wie zu den Gründen des überraschenden Rückzugs. Allerdings geriet die Commerzbank-Spitze in den vergangenen Wochen von mehreren Seiten zunehmend unter Druck.

Regierung tauschte Vertreter im Aufsichtsrat aus

So hatte die Bundesregierung ihre beiden Vertreter im Aufsichtsrat ausgetauscht – offenbar mit dem Ziel, den Vorstand genauer und fachkundiger zu kontrollieren. Seit der Finanzkrise 2008 ist der Bund größter Aktionär der Bank. Der eigentlich geplante Ausstieg scheitert daran, dass die Aktie viel weniger wert ist als damals. Der Staat würde hohen Verlust machen.

Unzufrieden ist auch der amerikanische Hedgefonds Cerberus, ebenfalls ein Großaktionär, dessen Beteiligung seit dem Einstieg deutlich an Wert verloren hat. In teilweise rüdem Ton warf der Fonds dem Commerzbank-Vorstand jüngst jahrelanges Versagen vor und drohte, demnächst mit anderen – nicht genannten – Mitteln für Veränderung zu sorgen.

Seit Jahren in der Krise

Zuletzt machte auch der Betriebsrat Front gegen den Vorstand, eine Aufsichtsratssitzung zum Sparprogramm wurde kurzfristig abgesagt. Der Arbeitnehmerseite seien wichtige Unterlagen nicht rechtzeitig vorgelegt worden, hieß es.

Die Commerzbank steckt seit Jahren in der Krise. Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank scheiterten. Zielke setzte auf starkes Wachstum mit aggressiver Kundenwerbung und auf Digitalisierung. Doch der Bank fehlt das Geld für die nötigen Investitionen. Seit Ausbruch der Corona-Krise wird die erst im vergangenen Herbst überarbeitete Strategie noch einmal umgekrempelt. Es geht dabei nicht zuletzt um ein Sparprogramm, das Tausende Stellen kosten wird.

Von Stefan Winter/RND