Commerzbank-Chef Martin Zielke bietet seinen Rücktritt an. Quelle: imago images/STAR-MEDIA

Überraschung bei der Commerzbank: Vorstandschef und Chefaufseher gehen

Spätestens Ende des Jahres soll Schluss sein. Aufsichtsrats Stefan Schmittmann gibt sein Mandat noch früher auf.

Frankfurt/Main. Commerzbank-Chef Martin Zielke bietet seinen Rücktritt an und wird das Geldhaus bis spätestens Ende des Jahres verlassen. Das teilte die Commerzbank am Freitagabend mit. Der Aufsichtsrat wolle in seiner Sitzung am 8. Juli 2020 darüber entscheiden. Zielke hat der Mitteilung zufolge angeboten, “auf Basis einer einvernehmlichen Aufhebung vorzeitig aus dem Vorstand auszuscheiden, falls dies aus Sicht des Aufsichtsrats im Interesse der Bank liegt”.

Der Präsidial- und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates habe über “das Angebot von Martin Zielke beraten, auf Basis einer einvernehmlichen Aufhebung vorzeitig aus dem Vorstand auszuscheiden”. Zudem gab die Bank bekannt, dass Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann sein Mandat am 3. August niederlegt.

Zielke ist seit Mai 2016 Vorstandschef der Commerzbank. Davor brachte er als Chef der Privatkundensparten das lange schleppende Geschäft wieder auf Touren. Seit Ende 2012 investiert die Commerzbank stark in den Bereich.

Commerzbank stand zuletzt in der Kritik

Zuletzt war die Kritik am Kurs der Bank lauter geworden. Der US-Finanzinvestor Cerberus hatte dem Commerzbank-Management in zwei Briefen Versagen und eine verfehlte Strategie vorgeworfen. Cerberus ist mit einem Aktienanteil von gut fünf Prozent der zweitgrößte Anteilseigner des Instituts nach dem Bund. Der Bund hält nach der Rettung der Bank mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2008/2009 heute 15,6 Prozent der Commerzbank-Anteile.

Neue Sparpläne sorgen zusätzlich für Streit. Eine für vergangenen Mittwoch angesetzte außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates war kurzfristig abgesagt worden. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten beanstandet, dass das Management dem Aufsichtsrat wichtige Unterlagen nicht rechtzeitig vorgelegt habe.

Der Vorstand hatte nach einem Gewinneinbruch 2019 in diesem Februar angekündigt, dass der Sparkurs noch einmal forciert werden soll. Im September hatte die Commerzbank angekündigt, konzernweit 4300 Vollzeitstellen zu streichen, zugleich aber in strategischen Bereichen wie Vertrieb, IT und Regulatorik 2000 Jobs zu schaffen. Somit ergab sich unter dem Strich ein Abbau von etwa 2300 Stellen. Zudem beschloss das Management im Herbst, etwa 200 Filialen und damit jeden fünften Standort in Deutschland zu schließen.

Zuletzt war in Medienberichten die Rede davon, dass die Bank bis zu 7000 Stellen abbauen könnte und etwa 400 Filialen schließen will. Unklar ist bisher, ob die im September verkündeten Zahlen darin eingerechnet sind. Ende des ersten Quartals 2020 hatte die Bank auf Vollzeitbasis etwa 39 800 Mitarbeiter, im laufenden Jahr soll die Zahl nach letzten Angaben auf knapp 39.000 sinken.

RND/dpa/ka