Dienstag , 11. August 2020
Die Kurstafel an der Frankfurter Börse. Quelle: Boris Roessler/dpa

Börsen am Montag: Dax mit festem Wochenauftakt

Der deutsche Aktienmarkt ist freundlich in die neue Börsenwoche gestartet. Gute Konjunkturdaten aus China und aus der Euro-Zone erweisen sich hierbei als Stütze. Im Fokus steht unter anderem die Commerzbank.

Frankfurt. Die Anleger am deutschen Aktienmarkt gehen am Montag dank frischer Konjunktursignale zuversichtlicher in die neue Woche. Der Dax weitete sein Plus gegen Ende der ersten Handelsstunde mit 12.453,30 Punkten auf 1,14 Prozent aus. Der Index der mittelgroßen Werte MDax legte immerhin 0,36 Prozent zu auf 26.287,09 Punkte. Der EuroStoxx behauptete sich mit 0,6 Prozent im Plus.

Als erste Stütze für den Dax galt, dass Chinas Industrie nach der Corona-Krise auf Erholungskurs bleibt. Laut einer Erhebung des Wirtschaftsmagazins „Caixin“ hellte sich die Stimmung in der dortigen Industrie im Juli weiter auf. Später kamen auch positive Signale aus der Eurozone hinzu, wo Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich und Italien die Prognosen übertrafen. All dies wurde mit Erleichterung aufgenommen, nachdem zuletzt die Furcht vor einer neuen Corona-Welle die Stimmung wieder getrübt hatte.

Am Freitag war der Dax zunächst über die Marke von 12.500 Punkte zurückgekehrt, rutschte am Nachmittag aber ins Minus ab, als auch der New Yorker Dow Jones Industrial mit den US-Standardwerten eine schwächere Tendenz einschlug. Letztlich verlor der deutsche Leitindex 0,54 Prozent auf 12.313,36 Punkte. Im Wochenverlauf hat er damit etwa vier Prozent verloren. Im Juli schmolz das Plus auf nur noch 0,02 Prozent.

Experten mahnen zur Vorsicht

Der Rücksetzer auf das tiefste Niveau seit Monatsbeginn, den der Dax am Donnerstag erlebte, hat der vielzitierten Sorglosigkeit der Anleger wieder Grenzen gesetzt. Laut Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Helaba dürfte die Sorge vor einer zweiten Welle in den kommenden Wochen die Finanzmärkte beherrschen.

Ihr Kollege Robert Halver von der Baader Bank rechnet dabei vorerst mit steigender Schwankungsfreude. “Grundsätzlich bleiben die Frage einer zweiten Infektionswelle und eine im Herbst drohende Insolvenzwelle ein latentes Aktien-Risiko”, warnte der Marktexperte der Baader Bank.

Zwar zeigen Konjunktursignale derzeit durchaus wieder nach oben, und auch viele Geschäftszahlen von Unternehmen untermauerten die Hoffnung, dass die Krise nicht so heftig durchschlage wie befürchtet.

Laut dem Chefanlagestrategen Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank sind aber aktuell wieder Befürchtungen berechtigt, dass die wirtschaftliche Erholung wieder gebremst werden könnte. Laut den Experten des Fuchs-Börsenbriefes kann ein von Vielen erhofftes und möglicherweise schon eingepreistes schnelles konjunkturelles Comeback in V-Form wohl doch zu den Akten gelegt werden.

MTU meldet schwache Quartalszahlen

Auf Unternehmensseite gehörten am Montag die Aktien von Infineon mit 2,6 Prozent zu den frühen Dax-Gewinnern, nachdem die US-Technologiewerte am Freitagabend ihre Erholungsrally in Richtung Rekordhoch beim Nasdaq 100 forcierten. Deutliche Schwäche zeigten MTU am Indexende nach schwachen Quartalszahlen. Der operative Gewinn ging noch etwas stärker zurück als gedacht. Die Aktie rutschte um 7,6 Prozent ab auf ein Tief seit Ende Mai.

Ansonsten lieferten am Morgen vor allem MDax- und SDax-Werte Gesprächsstoff. Eine aussichtsreiche US-Zulassung für das Krebsmedikament Monjuvi bescherte den Anlegern von Morphosys am Montag ein Plus von sechs Prozent.

Siemens Healthineers vermeldete am Sonntag einen Milliardenzukauf und zog zugleich seinen Quartalsbericht auf das Wochenende vor. Vorbörslich sah es zwar nach Gewinnen aus, die Aktie sackte dann aber doch um fünf Prozent ab. Als Grund gilt, dass für den mehr als 16 Milliarden US-Dollar schweren Kauf des US-Konzerns Varian, der den Medizintechnikkonzern zum Dax-Kandidaten machen könnte, eine gewinnverwässernde Kapitalerhöhung geplant ist.

Nordex dagegen schossen im SDax um 15 Prozent hoch. Hier sorgte bei Anlegern für gute Laune, dass der Windkraftanlagen-Hersteller Wind- und Solarprojekte in Europa an RWE verkaufen will. Beim Verkaufspreis von 402,5 Millionen Euro sprach Commerzbank-Experte Sebastian Growe von “höchst attraktiven” Bedingungen. Die Societe Generale empfahl die Nordex-Aktien am Montag zum Kauf.

Commerzbank sucht Top-Personal

Nicht auf die Beine kommt angesichts der weiter grassierenden Virusinfektionen auch der europaweite Reisesektor. Papiere der Lufthansa zum Beispiel büßten im MDax 2,5 Prozent ein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bekräftigt, dass die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Laufe dieser Woche in Kraft treten soll.

Die Commerzbank bemüht sich erneut um einen Ausweg aus der Führungskrise. Der Aufsichtsrat des Frankfurter MDax-Konzerns berät am Montag weiter über Lösungen – fast genau vier Wochen, nachdem sowohl Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann als auch Konzernchef Martin Zielke ihren Rücktritt angekündigt hatten. Eine schnelle Neubesetzung der beiden Spitzenpositionen bei dem teilverstaatlichten Institut zeichnete sich zuletzt nicht ab. Doch die Zeit drängt.

Wichtige Termine der neuen Börsenwoche

Zur Konjunkturlage stehen in der neuen Woche wichtige Kennziffern an. Für Deutschland hoben die Experten der BayernLB die Juni-Daten zur Produktion und dem Auftragseingang hervor, die am Donnerstag und Freitag veröffentlicht werden. In den USA sehen sie neben den ISM-Indizes am Montag und Mittwoch den Arbeitsmarktbericht im Fokus, der am Freitag veröffentlicht wird. Die Landesbank rechnet am US-Jobmarkt mit einer erneuten kräftigen Erholung.

Auf Unternehmensseite bleiben die kommenden Tage von der Berichtssaison geprägt, auch wenn nicht selten schon Eckdaten bekannt sind. Weitere zehn Dax-Firmen berichten über das zurückliegende, vom Coronavirus geprägte Quartal.

Hinter MTU folgen der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer sowie der Chiphersteller Infineon am Dienstag, bevor die Saison der Quartalsberichte dann mit dem Versicherer Allianz, dem Autobauer BMW, der Deutschen Post sowie dem Immobilienkonzern Vonovia am Mittwoch und dem Konsumgüterhersteller Henkel, dem Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck sowie dem Industriekonzern Siemens am Donnerstag auf Hochtouren läuft.

Wall Street: Feste Vorgaben aus New York

Unerwartet starke Quartalszahlen dreier Branchen-Giganten haben am Freitag die wichtigsten US-Technologie-Indizes angetrieben. Die Standardwerte legten nach einem durchwachsenen Handelsverlauf weniger deutlich zu. Hier sorgten einige negative Unternehmensnachrichten für eine etwas getrübte Stimmung.

Der Dow Jones Industrial machte zwischenzeitliche Verluste wett und schloss 0,44 Prozent höher bei 26.428,32 Punkten.

Auf Wochensicht ergibt dies ein Minus von 0,16 Prozent. Die Monatsbilanz hingegen zeigt ein Plus von gut 2 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 0,77 Prozent auf 3271,12 Zähler aufwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 zog um 1,78 Prozent auf 10.905,88 Zähler an.

 

Unter den Tech-Werten überzeugten die Aktien von Amazon, Facebook und Apple, die um zwischen fast vier und gut zehn Prozent anzogen. Apple und Facebook erreichten sogar jeweils Rekordhochs. Die Papiere der Google-Mutter Alphabet hingegen fielen um mehr als drei Prozent.

Amazon profitierte inmitten der Corona-Pandemie weiter stark vom Shopping-Boom im Internet und das Geschäft von Apple erwies sich als immun gegen die Krise. Beim weltgrößten Online-Netzwerk Facebook zeigte zwar der Boykott durch Werbekunden aus Protest gegen Hassrede Wirkung, dennoch übertrafen die Quartalszahlen die Markterwartungen.

Höhere Kosten und sinkende Werbeeinnahmen während der Pandemie hingegen belasteten den Google-Mutterkonzern Alphabet. Insgesamt hätten die Quartalszahlen der großen Technologieunternehmen gezeigt, dass die US-Wirtschaft besser aus der Krise komme als die deutsche, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Ölkonzerne im Fokus

Unter den Einzelwerten standen neben den Technologiewerten auch die Aktien von Ölkonzernen im Fokus. Die beiden größten US-Ölmultis ExxonMobil und Chevron rutschten im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen. Der globale Konjunktureinbruch wegen der Pandemie ließ die Nachfrage und die Preise am ohnehin schon schwächelnden Ölmarkt weiter sinken, das bringt die Branchenriesen stark unter Druck. Damit knickten die Anteilscheine von Chevron um 2,7 Prozent ein. Die Papiere von ExxonMobil hingegen drehten ins Plus und schlossen 0,5 Prozent höher.

Schwächster Wert im Dow waren die Anteilscheine von Caterpillar, die 2,8 Prozent einbüßten. Der Baumaschinen-Hersteller schnitt zwar trotz eines Umsatz- und Gewinneinbruchs im zweiten Quartal besser ab als von Experten erwartet. Allerdings machte das Unternehmen den Anlegern mit Blick auf eine schnelle Erholung der Nachfrage nur wenig Hoffnung.

Die Kurse von US-Staatsanleihen knüpften an ihre jüngsten Gewinne an. Nach wie vor wurden die Festverzinslichen durch die Sorge um die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft und einer hohen Zahl von Neuinfektionen in der Corona-Krise gestützt. Richtungweisende zehnjährige Papiere rückten um 3/32 Punkte auf 100 27/32 Punkte vor. Sie rentierten mit 0,535 Prozent.

Börsen in Asien schwächer

In Tokio gewann zum Wochenauftakt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zuletzt 2,2 Prozent auf 21.176 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index kletterte ebenfalls um 1,3 Prozent und lag zuletzt bei 1516 Punkten. Ebenfalls deutlich fester präsentierten sich die Börsen in China. Die Börse in Shanghai lag 1,2 Prozent im Plus.

Euro notiert leichter

Am Devisenmarkt kostete der Euro zuletzt 1,1779 US-Dollar, das ist ein Minus von 0,55 Prozent gegenüber dem Vortageshandel.

RND/casc/dpa