Donnerstag , 22. Oktober 2020
Autobranche im Fokus: Gegen die deutschen Autohersteller Audi, Porsche, Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW wird seitens der türkischen Wettbewerbsbehörde ermittelt. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Türkische Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen deutsche Autobauer

Die deutschen Autohersteller Audi, Porsche, Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW stehen im Fokus der türkischen Wettbewerbsbehörde. Es wird geprüft, ob die Unternehmen gegen ein Wettbewerbsgesetz verstoßen haben.

Istanbul. Die türkische Wettbewerbsbehörde hat eine Ermittlung gegen die deutschen Automobilhersteller Audi, Porsche, Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW eingeleitet. Sie prüfe, ob die Unternehmen gegen ein Wettbewerbsgesetz verstoßen habe, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch.

Es gehe um den Austausch sensibler Informationen und um angebliche Mängel in der Zusammenarbeit bei Sicherheit und Umwelt. Laut “Bloomberg” sollen die Unternehmen unter anderem Informationen über die Höchstgeschwindigkeit bei Fahrerassistenzsystemen und die Verwendung von Benzinpartikelfilter ausgetauscht haben.

VW baut kein neues Werk in der Türkei

Der Zeitpunkt der Ermittlungen lässt jedoch die Vermutung zu, dass es sich dabei eventuell um eine Art Retourkutsche der türkischen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan handeln könnte, nachdem unmittelbar zuvor der VW-Konzern mitgeteilt hatte, die Pläne für den Bau eines neuen Werks in der Türkei zu stoppen. 4000 Arbeitsplätze sollten dabei in der Nähe von Izmir entstehen. Doch wegen der Corona-Krise stoppte Volkswagen jetzt die Milliardeninvestition.

Nach ersten Verzögerungen hatte Volkswagen zunächst bis zum Jahreswechsel 2019/2020 eine Entscheidung treffen wollen. Mehrfach hatte es geheißen, man sei in “finalen” Gesprächen. Das Unternehmen gründete auch bereits eine türkische Tochtergesellschaft. Die Firma wurde ins Handelsregister eingetragen und mit einem Kapital von umgerechnet rund 164 Millionen US-Dollar ausgestattet.

Bis zu 300.000 Autos pro Jahr

Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten sei aus heutiger Sicht aber nicht notwendig, sagte ein Konzernsprecher. Mit dem neuen Werk sollte unter den Bedingungen vor Corona vor allem in Osteuropa und im Nahen Osten künftiges Wachstum bedient werden. Jetzt sollen alle geplanten Fahrzeugprojekte innerhalb des bestehenden Verbundes an Produktionsstätten gefertigt werden.

Vor der Pandemie wollte der Konzern neue Kapazitäten für den Passat und den Superb der Schwestermarke Skoda schaffen. Bis zu 300.000 Autos sollten in einem neuen Mehrmarkenwerk jährlich vom Band rollen.

RND/dpa/casc