Mittwoch , 30. September 2020
Remdesivir-Hersteller Gilead Sciences hat seinen Hauptsitz in den USA. Quelle: imago images/UPI Photo

Hoffnungsträger Remdesivir: So verteidigt der Hersteller den Deal mit der US-Regierung

Das US-Unternehmen Gilead Sciences hat bestätigt, bei der Verteilung von Remdesivir mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten. Wie viel des Hoffnungsträgers im Kampf gegen das Coronavirus noch für den Rest der Welt bleibt, ist weiterhin unklar. Allerdings bemühe sich das Unternehmen um eine weltweite Verfügbarkeit, sagte ein Sprecher.

Gilead Sciences, Hersteller des bislang vielversprechendsten Corona-Wirkstoffs Remdesivir, hat bestätigt, angesichts der knappen weltweiten Vorräte eng mit der US-Regierung zu kooperieren. “Wir arbeiten mit der US-Regierung zusammen, um den Bedarf der Patienten an der derzeit begrenzt lieferbaren Menge an Remdesivir zu ermitteln”, sagte ein Gilead-Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zugleich rechtfertigte er das Vorgehen.

Dass sich die US-Regierung 90 Prozent der Liefermenge bis September gesichert hat, wollte der Sprecher weder bestätigen noch dementieren, nachdem das US-Gesundheitsministerium dies am Mittwochvormittag bekannt gegeben hatte. Allerdings betonte der Sprecher, dass mit der US-Regierung vereinbart sei, noch nicht zugeteilte lieferbare Ware für Länder außerhalb der USA bereitzustellen. Wie groß diese Menge ist, wollte der Sprecher nicht beziffern.

Ihm zufolge sieht Gilead Sciences angesichts vermehrter Corona-Ausbrüche einen “dringenden Bedarf” an Remdesivir in den USA. Die meisten EU-Länder und andere Industrienationen hätten hingegen zuletzt ihre Krankheitsraten erheblich gesenkt, so der Sprecher. “Wir sind ein globales Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Wir sind uns des globalen Ausmaßes der Pandemie bewusst und arbeiten so schnell wie möglich daran, den Zugang auf der ganzen Welt zu ermöglichen”, betonte er.

Mehrere Millionen Dosen pro Jahr

Laut “Guardian” haben sich die USA mehr als 500.000 Dosen Remdesivir bis September gesichert. Wie der Sprecher von Gilead Sciences dem RND sagte, reicht die derzeit erwartete Gesamtproduktion von Remdesivir für mehr als zwei Millionen Behandlungszyklen im Jahr 2021. Für einen Behandlungszyklus sind nach Unternehmensangaben sechs Dosen nötig, insgesamt dürfte die derzeit mögliche Produktionsmenge 2020 also bei zwölf Millionen Dosen liegen. In Deutschland hatte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwochmorgen bekräftigt, ausreichend Remdesivir-Vorräte angeschafft zu haben.

Schon im Mai hatte Gilead Sciences außerdem angekündigt, in Entwicklungs- und Schwellenländern auf freiwillige und nicht exklusive Lizenzvereinbarungen zur Herstellung von Remdesivir-Generika zu setzen. Derzeit seien neun Hersteller in 127 entsprechenden Ländern im Boot, so der Sprecher. Es gebe mit dem Kinderhilfswerk Unicef Gespräche über weitere Vereinbarungen. Diese könnten noch in dieser Woche abgeschlossen werden.

Hoffnungsträger Remdesivir

Remdesivir gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der einstige Ebola-Wirkstoff reduziert Studien zufolge die Behandlungsdauer und das Sterberisiko bei Covid-19-Patienten deutlich. In den USA ist Remdesivir als bislang einziger Wirkstoff gegen Covid-19 zugelassen, für Europa wird mit einer Zulassung in dieser Woche gerechnet.

Remdesivir ist ein reines Krankenhausprodukt, eine Behandlung soll Kliniken und Versicherungen außerhalb der USA laut Gilead Sciences 2390 Dollar (etwa 2084 Euro) vor Steuern kosten. Nach eigenen Angaben investiert das Unternehmen 2020 mehr als eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau von Produktionskapazitäten und weitere Forschungen für Remdesivir.

Von Christoph Höland/RND