Donnerstag , 1. Oktober 2020
Das Ifo-Institut prognostiziert der deutschen Konjunktur 2020 einen Einbruch von 6,7 Prozent. Aber nächstes Jahr soll die Wirtschaft wieder um 6,4 Prozent wachsen. Quelle: Christian Charisius/dpa

Ifo-Prognose: Wirtschaft wird sich erst zum Jahreswechsel 2021/2022 erholt haben

Das Niveau wie vor dem Ausbruch der Pandemie wird aber erst Ende 2021 oder Anfang 2022 erreicht.

München. Was das laufende Jahr anbelangt, sind sich die Experten weitgehend einig. Die heimische Wirtschaft wird wegen der Pandemie dieses Jahr um 6,7 Prozent schrumpfen, sagt Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. Zuvor hatten Kollegen des Sachverständigenrats eine Rezession von 6,5 Prozent vorhergesagt.

Für den Aufstieg aus dem Corona-Tal sind die Forscher des Münchner Ifo-Instituts aber optimistischer. Sie rechnen 2021 mit einem Wachstum der heimischen Wirtschaft um 6,4 Prozent, der Sachverständigenrat spricht nur von 4,9 Prozent. Die Differenz erklärt sich aus Prognosemethoden: Ifo stützt sich vor allem auf die Befragung von Unternehmen und ihren Chefs. Der Sachverständigenrat zieht auch Faktoren wie das Lkw-Aufkommen, Flugbewegungen oder die Zahl von Suchanfragen nach dem Begriff Kurzarbeit zu Rate.

“Die Unsicherheit ist sehr groß”

“Die Unsicherheit ist sehr groß”, räumte Ifo-Chef Clemens Fuest zudem hinsichtlich der Prognose-Richtigkeit ein. Eine Krise wie jetzt habe es noch nie gegeben. Vergleichsdaten fehlen. Sollte Ifo richtig liegen, ist die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um fast zwölf Prozent eingebrochen, nachdem sie im Auftaktquartal bereits um 2,2 Prozent nachgegeben hatte. Für das dritte Quartal sagt Ifo ein kräftiges Wachstum von 6,9 Prozent voraus, das sich im Schlussquartal aber bereits wieder auf 3,8 Prozent abschwächen soll.

Fuest rechnet beim heimischen Konsum mit Vorzieheffekten durch das jüngste Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Zudem stellte er klar, dass die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität auf wackligen Beinen steht, vor allem falls es zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Dann seien alle Prognosen hinfällig. Auch wenn es aber wie von Ifo vorhergesagt aufwärts geht, werde die deutsche Wirtschaft erst Ende 2021 oder Anfang 2022 wieder ein Niveau wie vor dem Ausbruch der Pandemie erreichen, stellte Fuest klar. “Permanenter Wohlstandsverlust ist vorprogrammiert”, sagt der Ifo-Chef. Zwei Jahre Wachstum sind verloren.

Bei Kurzarbeit scheint das Schlimmste überstanden

Im Prognoseszenario steigt die Zahl der Arbeitslosen hierzulande dieses Jahr um 400.000 auf 2,7 Millionen Menschen. 2021 sollen es nur 100.000 Jobs mehr werden. Bei der Kurzarbeit scheint das Schlimmste schon überstanden. Von Mai bis Juni ist die Zahl heimischer Kurzarbeiter von 7,3 auf 6,7 Millionen Beschäftigte gesunken.

Auch im Staatshaushalt sind Corona-Spuren deutlich sichtbar. Ifo schätzt für 2020 ein Staatsdefizit von knapp 176 Milliarden Euro nach gut 50 Milliarden Euro Überschuss 2019. Auch 2021 sagen die Forscher dem Staatshaushalt rote Zahlen im Umfang von gut 76 Milliarden Euro voraus. Fuest rechnet damit, dass die Politik hinsichtlich Konjunkturhilfen nochmal nachlegen muss, um Firmenpleiten in Grenzen zu halten. Dazu zwinge vor allem die im Vergleich zu Deutschland weit schleppendere Erholung im Ausland, was auf die deutsche Exportwirtschaft zurückfeuert.

Dieses Jahr sagt Ifo einen Exportrückgang von gut 13 Prozent voraus bei einem Minus im Import von fast acht Prozent. Der im Ausland vielgescholtene deutsche Leistungsbilanzüberschuss von 2019, gut 245 Milliarden Euro, schrumpft dieses Jahr damit auf gut 176 Milliarden Euro. Für 2021 sagt Ifo wieder einen Überschuss von fast 269 Milliarden Euro voraus.

RND

Von Thomas Magenheim/RND