Montag , 26. Oktober 2020
Heinz Herrmann Thiele hat Anteile bei Lufthansa gekauft. Quelle: dpa/RND Montage Behrens

Großaktionär Thiele will bei Lufthansa mehr mitmischen

Das Rettungspaket ist beschlossen, doch wie geht es für die Lufthansa jetzt weiter? Großaktionär Thiele macht in mehreren Interviews nach dem Aktionärstreffen klar: Er möchte (noch) mehr Einfluss. Gleichzeitig erklärt Thiele, warum er sich schlussendlich doch entschlossen hat, dem Paket zuzustimmen.

Nach der staatlichen Rettung der Lufthansa rechnet der Großaktionär der größten europäischen Fluggesellschaft, Heinz Hermann Thiele damit, dass die Sanierung “fünf bis sechs Jahre” dauern wird. “Das wird für alle Beteiligten ein schmerzhafter Weg”, sagte Thiele in einem Interview der “Bild am Sonntag” und ergänzt: “Wie schmerzhaft, das kann heute keiner sagen.”

In jedem Fall gehe es darum, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Dazu werde das Management einen Restrukturierungsplan entwerfen. ”Aufgrund der umfangreichen Kredite, die verzinst und getilgt werden müssen, reichen Personal- und Sachkostenreduzierung nicht aus”, sagte Thiele weiter.

“Es müssen auch Beteiligungen von Tochtergesellschaften auf den Prüfstand. Man muss sich alles anschauen, was nicht für den absoluten Kernbetrieb für die nächsten Jahre erforderlich ist”, so der Großaktionär. Dazu gehöre auch das Catering-Geschäft in Europa oder Teile der Lufthansa-Technik.

Lufthansa-Beteiligungen müssen auf den Prüfstand

Die Aktionäre des Konzerns hatten am Donnerstag einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung des Bundes zugestimmt. Damit kann die Lufthansa mit deutscher Staatshilfe weiterfliegen. Das Hilfspaket hat ein Volumen von neun Milliarden Euro. Im Vorfeld hatte sich Milliardär Thiele kritisch über den seiner Meinung nach zu starken Staatseinfluss geäußert, hatte aber am Ende auf der außerordentlichen Hauptversammlung doch für das Rettungspaket gestimmt.

“In einer Insolvenz wäre die Situation sehr komplex geworden. Das wäre für die Beschäftigten eine Katastrophe gewesen”, begründete er gegenüber dem “Handelsblatt” sein Handeln auf dem Aktionärstreffen. Dennoch kritisiert er nach wie vor die Konditionen des Rettungspaketes. Die Zinsen seien seiner Meinung nach zu hoch, so Thiele gegenüber der Zeitung.

Großaktionär Thiele will mehr Einfluss

Selbst in normalen Jahren könne die Lufthansa die Kredite, die mit vier bis neun Prozent bedient werden müssen, kaum aus dem Cashflow stemmen, so Thiel: “Solange die Kredite getilgt werden müssen, bleibt der Bund mit seinem Anteil im Unternehmen. Meiner Meinung nach wird das viel länger als drei Jahre dauern”.

Thiele rechnet dem Bericht nach mit einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren und fordert Einschnitte, unter anderem bei Beteiligungen von Tochtergesellschaften wie Lufthansa Technik oder dem Catering-Geschäft.

Laut Thiele sei sein Investment bei Lufthansa mit einem hohen Risiko verbunden, da man als Aktionär in den kommenden Jahren keine Dividendenausschüttung erwarten dürfe. Im Gegenzug, so der 79-Jährige gegenüber dem Handelsblatt, wolle er Einfluss und kündigte an, seine Position im Unternehmen zu stärken, auch im Aufsichtsrat. Inwieweit er selbst Pläne hat, in das Kontrollgremium des Unternehmens zu gehen, ließ er aber offen.

Analysten sind verhalten

Seitens der Analysten ist man ebenso gespannt, wie sich die Lufthansa mit ihrer neuen Situation zurechtfindet. Der Weggang von Digital- und Finanzchef Thorsten Dirks hat beispielsweise die Schweizer Bank Credit Suisse veranlasst, die Einstufung für Lufthansa auf “Underperform” mit einem Kursziel von 6,25 Euro zu belassen. Der Abgang des Top-Managers erhöhe ganz klar die Risiken bei der geplanten Umsetzung des Umstrukturierungsplans der Fluggesellschaft, so die Einschätzung des Schweizer Analyse-Hauses.

Wesentlich skeptischer ist dagegen die DZ Bank der Lufthansa gegenüber eingestellt. Die Bank sieht in der Aktie der Fluggesellschaft unverändert einen Verkauf-Kandidaten und den fairen Wert der Aktie bei 6,50 Euro. Mit der Zustimmung der Aktionäre zum Staatseinstieg sei das Insolvenzrisiko zunächst beseitigt, es blieben aber große Herausforderungen, so die Argumentation. Die Analysten gehen davon aus, dass erst 2023 oder 2024 die Flugbranche wieder das Vorkrisenniveau erreichen dürfte. Dagegen rät Independent Research Lufthansa-Aktien weiter zu “Halten” und sieht das Kursziel bei 9,90 Euro, meint aber auch, dass das Unternehmen noch nicht über den Berg sei.

Thiele hat Vertrauen in das Management

So ähnlich sieht es wohl Großaktionär Thiele auch. Dennoch hat er Vertrauen in das Management. Vorstandschef Spohr habe mit seinem Team schon viele Krisen gemeistert. Er sei in der Lage, “auch diese schwere Aufgabe zu lösen”, so Thiele über den Lufthansa-Chef.

Dass die Aufgabe keine leichte ist, ist dem Vorstand bewusst: Konzernchef Spohr hatte bereits auf der Hauptversammlung den Aktionären mitgeteilt, dass die Erholung des Konzerns lange brauchen werde, da der Markt für Reisen selbst lange Zeit brauche, sich zu erholen. Vor 2022 oder 2023 werde das nicht geschehen, so die Einschätzung von Spohr am Donnerstag. Der Konzernchef hatte aber gleichzeitig deutlich gemacht, dass die Lufthansa trotz der aktuellen schweren Last die Mittel des Bundes möglichst schnell zurückzahlen will.

An der Börse gibt zum Wochenauftakt der Aktienkurs der Lufthansa mehr als 2,3 Prozent auf 8,82 Euro ab, während der Gesamtmarkt sich moderat präsentiert. Der Dax gewinnt zur gleichen Zeit 0,45 Prozent auf 12.160 Punkte hinzu.

RND/dpa/casc