Freitag , 25. September 2020
Der Schlachthof Geestland Putenspezialitäten in Wildeshausen stellt etwa Waren für Wiesenhof her. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Corona bei Wiesenhof: 1100 Mitarbeiter der Schlachterei in Quarantäne

Nun also doch: Die 1100 Mitarbeiter einer Putenschlachterei im Kreis Oldenburg, die etwa für Wiesenhof produziert, und ihre direkten Kontaktpersonen müssen zwei Wochen in Quarantäne. Der Schlachthof fährt seinen Betrieb vorerst komplett herunter. Das könnte zu Problemen bei Züchtern führen.

Wildeshausen. Nach den Reihentests in einem Putenschlachthof in Wildeshausen im Kreis Oldenburg ist für alle rund 1100 Mitarbeiter sowie deren direkte Kontaktpersonen eine Quarantäne von zwei Wochen angeordnet worden. Das teilte der Landkreis am Freitag mit.

“Das ist eine Entscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist”, sagte der Oldenburger Landrat Carsten Harings. Für die Entscheidung habe sich der Kreis die Zustimmung der Landesregierung geholt. “Die primäre Aufgabe ist es, die Bevölkerung vor weiteren Infektionen zu schützen.”

Betrieb wird für vorerst zwei Wochen geschlossen

Insgesamt gibt es in dem Schlachtbetrieb bei 1183 vorliegenden Testergebnissen 46 positive Fälle einer Covid-19-Infektion. Der Schlachthof Geestland Putenspezialitäten in Wildeshausen fährt nun schrittweise den Betrieb herunter, er wird für zwei Wochen geschlossen. „Es werden keine Puten mehr zur Schlachtung angenommen“, hieß es am Freitag in einer Mitteilung des zur Wiesenhof-Gruppe gehörenden Unternehmens.

Da die Unternehmensgruppe über keinen weiteren Schlacht- und Zerlegebetrieb für Puten in Deutschland verfüge, könnte es in den landwirtschaftlichen Aufzuchtbetrieben nun zu Tierschutzproblemen kommen. „Es müssen gemeinsam und schnellstmöglich Lösungsmöglichkeiten für die Landwirte gefunden werden. Im schlimmsten Fall müssten die Landwirte gesunde Tiere in ihrem Betrieb töten. Dies gilt es jetzt unbedingt zu vermeiden“, warnte GPS-Geschäftsführer Norbert Deeken.

Tierschutz-Probleme: Sondergenehmigung für Puten-Schlachtungen in anderen Betrieben erbeten

Beim niedersächsischen Agrarministerium will das Unternehmen jetzt um Soforthilfe in Form von Sondergenehmigungen für die Schlachtung der Puten in anderen Schlachtereien in Niedersachsen bitten. Auch wenn der Corona-Ausbruch in Wildeshausen damit viel kleiner ist als in Fleischbetrieben der Firma Tönnies in Nordrhein-Westfalen, wirkt er doch auf die Region Oldenburger Land. In Cloppenburg erkrankten nach Angaben des Landkreises ein Mann, der bei Geestland arbeitet, seine Frau und zwei Kinder im Schüleralter.

In Wagenfeld im Landkreis Diepholz wurde eine frühere Kaserne vorsorglich unter Quarantäne gestellt, weil dort 200 Werkvertragsarbeiter aus dem Putenschlachthof leben. Das Rote Kreuz versorgt sie in der Gemeinschaftsunterkunft mit Lebensmitteln.

RND/dpa