Samstag , 26. September 2020
Schinken werden in der Eberswalder Wurstfabrik bewegt (Symbolfoto). Quelle: imago images/Bernd Friedel

Razzia in der Fleischindustrie: Zoll deckt erhebliche Arbeitsrechtsverstöße auf

Erneuter Ärger für die Fleischbranche: Bei bundesweiten Kontrollen hat der Zoll erhebliche Verstöße festgestellt. In mehr als 600 Fällen wird geprüft, ob Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten vorliegen. Betroffen seien sowohl große Unternehmen als auch mittelständische Firmen.

Hannover. Die Fleischindustrie steht unter Druck. Nach dem Corona-Ausbruch beim Großschlachter Tönnies ringt die Branche um ihren Ruf. Und es droht neues Ungemach: Bei bundesweiten Kontrollen hat der Zoll in den vergangenen vier Wochen erhebliche Verstöße gegen das Arbeitsrecht aufgedeckt – sowohl bei großen, namhaften Unternehmen als auch bei mittelständischen Firmen.

1400 Beamte kontrollieren bundesweit 150 Betriebe

Die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit prüfe in mehr als 600 Fällen, ob Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten vorliegen, sagte Behördenleiter Tino Igelmann der „Welt”. Wie die Zeitung weiter berichtet, kontrollierten 1400 Beamte die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in 150 Betrieben. Bislang habe die Behörde 21 Strafverfahren und 15 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Die Liste der bislang ermittelten Verstöße gegen das Arbeitsrecht ist lang: Schwarzarbeit, Urkundenfälschungen, illegaler Aufenthalt von Arbeitern in Deutschland und Verletzungen der Aufsichtspflicht wurden laut „Welt” festgestellt. Ebenfalls kontrolliert wurde die Unterbringung von Mitarbeitern in Massenunterkünften.

Fleischindustrie: Arbeitsbedingungen in der Kritik

Der Zoll hat mit seiner kurzfristig durchgeführten Kontrolle auf die seit Mai bekannt werdenden Ausbrüche von Corona-Infektionen in Schlachthöfen reagiert – und auf Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Branche. Erst in der vergangenen Woche hatten die Behörden einen massiven Corona-Ausbruch in der Tönnies-Schlachterei in Rheda-Wiedenbrück registriert. Mehr als 1550 Menschen wurden bislang positiv auf das Coronavirus getestet. Das Land NRW musste die Notbremse ziehen und verhängte einen Lockdown über die Kreise Gütersloh und Warendorf.

Von Fabian Hartmann/RND