Dienstag , 29. September 2020
Immer wieder bekommt Amazon es mit Produktfälschern zu tun. Der Konzern will nun mit einer eigenen Taskforce verstärkt dagegen angehen. Quelle: imago images/photothek

Amazon kämpft gegen Produktfälscher – mit eigener Polizei

Der Onlinehändler Amazon steht seit Langem in der Kritik, nicht ausreichend gegen Produktfälscher vorzugehen. Das soll sich nun ändern: Amazon gründet eine eigene Hauspolizei. Die “Counterfeit Crimes Unit” soll bald auch in Europa agieren.

Amazon will dafür sorgen, dass Produktfälscher ausreichend zur Rechenschaft gezogen werden. Mithilfe einer eigens gegründeten Hauspolizei – der “Counterfeit Crimes Unit” – will der Onlinehändler die Fälscher von der Plattform vertreiben. Eine ehemalige Mitarbeiterin des amerikanischen Justizministeriums soll dabei helfen, berichtet die “FAZ”. Denn die Zahl der beschlagnahmten Fälschungen soll sich laut der amerikanischen Regierung zwischen 2000 und 2018 mehr als verzehnfacht haben.

USA bringen zu wenig Mittel gegen Fälscher auf

Die Counterfeit Crimes Unit will Fälscher anhand der Daten von Amazon und externen Quellen aufspüren und für rechtliche Verfolgung sorgen. Denn gerade die war bislang problematisch: Dharmesh Mehta, Vizepräsident von Amazon, erklärt, dass das Problem nicht bei Amazon allein liege. Das Land bringe oft nicht genug Mittel zur Bekämpfung von Fälschungen auf. Im Jahr 2018 etwa wurden nur 56 Klagen gegen Fälscher angestrengt, von denen gerade einmal ein Drittel mit einer Gefängnisstrafe bestraft wurden. Mehta ist sich sicher, “Die Strafen sind nicht hart genug, um Fälscher abzuschrecken”.

Amazons Hauspolizei auch in Europa

Amazon hatte im letzten Jahr zwar schon angefangen, Fälscher aufzuspüren. Die Initiative “Project Zero” etwa arbeitete mit Künstlicher Intelligenz daran, Produktfälschungen von der Seite zu entfernen. Aber laut Vize-Präsident Mehta gibt der Online-Händler Informationen zu Produktfälschern nun viel früher an die Strafverfolgungsbehörden weiter. Amazon habe mithilfe dieser und ähnlicher Bemühungen angeblich bereits mehr als sechs Milliarden “mutmaßlich unzulässige Angebote” blockiert und mehr als 2,5 Millionen Konten von Tatverdächtigen gesperrt. Perfekt sei das Unternehmen aber noch nicht im Aufspüren von Fälschungen.

Amazons Hauspolizei soll das nun regeln – zwar erst in kleiner Gruppe, aber perspektivisch größer und auch in Europa.

RND/dpa