Freitag , 23. Oktober 2020
Tönnies ist der größte Fleischbetrieb Deutschlands. Experten zufolge wird sich die Schließung des Betriebes aber nicht in knapper Ware oder höheren Fleischpreisen zeigen. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Experten beruhigen nach Tönnies-Schließung: Nein, das Fleisch wird nicht knapp

Die Schließung des größten deutschen Schlachthofes Tönnies dürfte laut Experten keine Auswirkungen auf den Verbraucher haben. Weder knappe Ware noch steigende Preise seien zu befürchten. Landwirte würden die Schließung aber durchaus bemerken.

Damme. Die Schließung des größten deutschen Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück dürfte nach Experten-Einschätzung auf die Verbraucher kaum Auswirkungen haben. „Grundsätzlich ist Fleisch genug da“, sagte der Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Matthias Quaing, am Mittwoch in Damme bei Vechta. Auch aus anderen europäischen Ländern werde genügend Fleisch geliefert, so dass Kunden weder knappe Waren noch steigende Preise befürchten müssten.

Schließung von Tönnies noch handelbar

Die Landwirte bemerkten die coronabedingte Schließung des Schlachthofes durchaus, seien aber unterschiedlich betroffen, sagte Quaing. Es sei ein Unterschied, ob die Tiere kurz vor der Schlachtung stünden oder noch eine gewisse Zeit gemästet werden könnten. Vor allem Viehhändler würden die Schließung mitbekommen, sie müssten dann zusehen, dass sie die Schweine an andere Schlachthöfe liefern könnten.

Grundsätzlich seien die Schlachtkapazitäten wegen der Corona-Krise in den vergangenen Wochen zurückgefahren worden. Wegen der Hygiene-Regeln dürften nicht mehr so viele Mitarbeiter in der Zerlegung arbeiten, es seien auch weniger Arbeitskräfte in Deutschland. Im Moment sei die Schließung des Tönnies-Schlachthofes für die Landwirte noch handelbar. “Da ist noch Luft im System”, sagte Quaing.

Ähnliches beobachtete zuletzt auch Tim Koch von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI). Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland bestätigte er, was er kurz zuvor auch beim Fachdienst Fleischwirtschaft.de gesagt hatte: Bislang halte sich der Preisdruck in Grenzen, auch stehe für die Nachfrage genug Schweinefleisch zur Verfügung, bei Rindfleisch sehe es ähnlich aus.

Die Branche ist verunsichert

Zwar sei die Branche mittlerweile spürbar verunsichert, so Koch weiter. Bislang gelinge es aber, größere Mengen an Schlachttieren auf andere Betriebe umzuleiten. ”Wie groß die Überhänge in den kommenden Tagen und Wochen tatsächlich ausfallen, wird sich daher erst noch zeigen”, meint der Experte.

In den vergangenen Monaten ist Fleisch in Deutschland zum Teil deutlich teurer geworden. Das liegt aber vor allem daran, dass die Afrikanische Schweinepest Landwirten in China derart zugesetzt hat, dass das Land große Mengen Schweinefleisch importieren musste.

RND/hö/dpa