Dienstag , 20. Oktober 2020
Ein Hygiene-Experte erklärt, was die Kühlung mit dem Corona-Ausbruch in der Fleischindustrie zutun hat. Seine Eindrücke hat er bei der Begutachtung des Tönnies-Unternehmens gemacht. Quelle: dpa/RND Montage Behrens

Hygiene-Experte zu Tönnies: Die Kühlung könnte das Problem sein

Ein Hygiene-Experte vermutet, dass die vielen Coronavirus-Infizierte im Fleischbetrieb Tönnies auf die Luftumwalzung in der Zerlegung zurückzuführen sein könnten. Dort waren besonders viele Infektionen aufgetreten. Die Lösung könnten UV-Strahlen sein.

Gütersloh. Wieso sind Schlachthöfe die Hot-Spots der Coronakrise? Wie kam es bei Tönnies zu der hohen Anzahl an Infizierten? Die erste Einschätzung des Bonner Hygiene-Experten Martin Exner: Der Corona-Ausbruch im Fleischbetrieb könnte auf die Luftkühlung im Zerlegebetrieb zurückgehen. In dem Bereich würde die Luft auf 6 bis 10 Grad Celsius heruntergekühlt, während die Arbeiter bei hohem Tempo und harter, körperlicher Belastung die geschlachteten Schweine zerlegen, sagte der Professor bei einer Pressekonferenz im Kreishaus in Gütersloh. Um die Luft zu kühlen, würde diese aus dem Raum gezogen, gekühlt und zurück in den Raum gebracht. Exner schlug Hochleistungsfilter und UV-Strahlen als Lösung vor.

Vermehrt Infiziere in der Zerlegung

Dieses Problem betreffe die gesamte Fleischbranche und sei bislang nicht im Blick der Wissenschaft gewesen, sagte der Professor. Bei dem jetzt möglicherweise entdeckten Problem nahm der Experte Tönnies ausdrücklich von Kritik aus. Besonders in der Zerlegung der Fleischfabrik waren vermehrt Corona-Infizierte gefunden worden.

Der Direktor des Instituts für Hygiene hatte sich am Samstag und Sonntag die Lage bei Tönnies im Werk in Rheda-Wiedenbrück angeschaut.

RND/dpa