Samstag , 24. Oktober 2020
Mitarbeiterinnen verlassen das Gelände vom Schlachthof Geestland Putenspezialitäten. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Corona bei Wiesenhof: Gewerkschaft fordert Tests in allen Schlachthöfen

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Wiesenhof-Schlachthof in Wildeshausen (Niedersachsen) haben Unternehmen und Landkreis mit Massentests begonnen. Der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten geht das nicht weit genug.

Oldenburg/Wildeshausen. Unter der Belegschaft eines zur Wiesenhof-Gruppe gehörenden Putenschlachthofs in Wildeshausen bei Oldenburg wurde am Mittwoch mit einem Corona-Massentest begonnen. Betroffen sind mehr als 1100 Mitarbeiter. Am Dienstag waren zunächst 23 von 50 Mitarbeitern positiv auf Covid-19 getestet worden. Genutzt wurden dazu Räume im Schlachthof-Gebäude, sagte ein Sprecher des Landkreises Oldenburg.

Die Proben würden von einem privaten Labor entnommen, aber „unter enger Aufsicht des Gesundheitsamtes durchgeführt“, betonte der Sprecher. „Es muss jetzt sehr schnell gehen. Auch unsere Experten sind dabei.“ Im Laufe des Tages erwarte man zudem Ergebnisse weiterer Tests vom Dienstag. Hierbei gehe es um etwa 150 direkte Kontaktpersonen der zum Wochenbeginn ermittelten infizierten Mitarbeiter.

Betroffen ist der mehrheitlich zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörende Schlachthof Geestland Putenspezialitäten. Das Unternehmen hatte erklärt, in den kommenden Tagen nochmals alle Mitarbeiter testen zu lassen – Anfang Juni hatte es bereits einen ersten Durchlauf gegeben. Der Landkreis stellte die unmittelbaren Kontaktpersonen und Arbeitskollegen unter Quarantäne.

NGG: Alle Beschäftigten der niedersächsischen Fleischwirtschaft testen

Unterdessen forderte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die sofortige Untersuchung aller Beschäftigten in der niedersächsischen Fleischwirtschaft. In Teilen der Branche würden die Hygieneregeln locker gehandhabt, wodurch Leiharbeiter, Werkvertragsarbeiter und Stammbeschäftigte in ihrer Gesundheit bedroht seien, sagte der für Oldenburg und Ostfriesland zuständige NGG-Chef Matthias Brümmer. Bislang lehnt Niedersachsen erneute Reihentests ab.

Aus den Betrieben meldeten sich immer mehr besorgte Betriebsräte. In den vergangenen Tagen sei es oft zum Austausch von Leiharbeitern und Werkarbeitern gekommen, bei denen niemand die Herkunft erklären könne. „Da entwickelt sich ein gewaltiges Bedrohungspotenzial, das den Fortbestand einer ganzen Branche gefährdet und die Gesundheit der Bevölkerung mit bedroht“, sagte Brümmer.

PHW-Gruppe immer wieder in der Kritik

Die Schlachtkonzerne PHW, Tönnies und Westfleisch hatten angekündigt, zum Jahresende in großem Maße auf die umstrittene Werkarbeit verzichten zu wollen. Die beengten Wohnverhältnisse von Werkarbeitern gelten als Grund dafür, dass sich Krankheitserreger unter Beschäftigten der Branche rasch ausbreiten können.

Die PHW-Gruppe mit Sitz im Kreis Vechta erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.06.2019) über alle Geschäftsbereiche einen Umsatz von 2,68 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl lag bei 7032. Der Anteil der Werkarbeiter an den Beschäftigten beträgt dem Unternehmen zufolge derzeit 20 Prozent. In vergangenen Jahren war die PHW-Gruppe immer wieder Zielscheibe der Kritik von Tierschützern. Nach dem Generationswechsel in der Geschäftsführung des Familienunternehmens auf Peter Wesjohann suchte das Unternehmen in den vergangenen Jahren aber auch den Dialog mit Tierschützern, etwa der Organisation Peta. Im vergangenen Jahr seien 80 Prozent der Produkte unter Tierwohl-Bedingungen produziert worden, hieß es. Das Unternehmen investiert auch in alternative Proteinquellen wie vegane Produkte oder künstlich erzeugtes Fleisch.

RND/dpa