Samstag , 19. September 2020
Apple Konzernchef Tim Cook leitet die erste Apple Worldwide Developers Conference erstmals online. Quelle: Brooks Kraft/Apple Inc./dpa

Apples Entwicklerkonferenz WWDC: Das hat der Megakonzern für die Zukunft geplant

Zurück in die Zukunft – so lassen sich Apples Novitäten beschreiben, die gerade auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wurden. Der weltgrößte Computerkonzern kümmert sich wieder verstärkt um Software und will künftig auch wieder hausgemachte Computerchips einsetzen. Außerdem besinnt sich Apple wieder auf das ursprüngliche Erfolgsgeheimnis: einfache, intuitive Bedienung.

Hannover. Das Unternehmen spart nicht an verbaler Dramatik: Das neue Betriebssystem für das iPhone, namens iOS 14, soll die drastischsten Veränderungen für den Startbildschirm seit der Erfindung des schlauen Handys bringen. Dabei wird aber lediglich nachvollzogen, was bei Android, dem Konkurrenz-System von Google, schon seit mehr als einem Jahrzehnt Standard ist: Widgets. Also bestimmte ausgewählte Anwendungen mit wichtigen Funktionen und Informationen wie Kalendereinträge, Uhrzeit, Aktienkurse oder Herzfrequenz, die der Nutzer sofort nach dem Starten des Handys sehen kann.

Beim iPhone werden sie künftig in unterschiedlicher Größe zwischen die traditionellen Apps gestellt. Wobei künstliche Intelligenz (KI) die jeweils für die Situation des Nutzers (Zeit, Standort, Art der Aktivität) relevanten Widgets zeigen soll, die seit Jahren von iPhone-Nutzern gefordert werden. Mit KI sollen künftig auch die Apps sortiert und zu Gruppen zusammengestellt werden: Ein Kästchen etwa für soziale Medien, eine anderes für Streamingdienste und ein drittes für Spiele.

Apple Maps und Siri: Anwendungen werden noch bedienerfreundlicher

Weitere Neuerungen: Die Landkarten- und Stadtpläne-App Apple Maps wird mit Reiseführern und besseren Fahrradrouten für bestimmte Städte hochgerüstet. Es soll einen Bild-im-Bild-Modus geben, der es dem Nutzer erlaubt, Videos zu schauen und zugleich andere Anwendungen laufen zu lassen. Siri, der digitale Sprachassistent, kann künftig im Hintergrund präsent sein, ohne den Bildschirm in Anspruch zu nehmen. Außerdem können mit Siri dann auch Sprach- und Textnachrichten aufgenommen und diktiert werden.

Apple Clips macht eine neue Art der Nutzung von Apps möglich: Wer beispielsweise spontan ein Fahrrad mieten oder E-Auto laden will, kann sich kurzerhand nur die Elemente der Anwendung herunterladen, die für das Mieten oder Laden gerade gebraucht werden. Mittels der Maps-App oder über QR-Codes soll das ermöglicht werden.

Apple besinnt sich wieder auf das Erfolgsrezept

Ein genauer Termin für den Start von iOS 14 steht noch nicht fest – womöglich kommt das Betriebssystem erst nachdem die neuen iPhones präsentiert wurden. Mit der neuen Software besinnt sich Apple auf einen Vorteil der iPhones, der in den frühen Jahren massiv zum Tragen kam. Schon damals gab es leistungsfähigere Handys, aber Apple präsentierte 2007 ein Gerät, das erheblich einfacher und intuitiver zu bedienen war. Das war ein wichtiger Faktor für den Erfolg des iPhones, das Prinzip wurde dann von Android kopiert.

Smartphones sollen wieder länger nutzbar sein

Dass Apple die sogenannte Usability nun wieder fokussiert, hatte sich schon länger angedeutet. Das hängt mit der Entwicklung bei den Smartphones zusammen. Ihr Boom wurde über Jahre davon getragen, dass sie ihre Leistung im Halbjahresrhythmus immer weiter steigerten. Doch der Wettstreit um die Zahl der Pixel für die Kameras und die Geschwindigkeit der Prozessoren verliert an Bedeutung. Wichtige Anwendungen laufen noch immer auch auf Geräten, die schon drei, vier Jahre alt sind. Nutzer behalten ihre Geräte deshalb länger.

Markforscher wie die US-Firma Gartner hatten auch deshalb schon vor Corona für die nächsten drei Jahre bestenfalls einen stagnierenden Absatz erwartet. Preiskämpfe wurden prognostiziert. Die Pandemie lässt die Verkäufe nun sogar einbrechen. Dazu passt, dass Apple sich auf seine alten Tugenden besinnt, zumal Rivalen wie Huawei bei den rein technischen Parametern längst vorne liegen.

Rechnerchips produziert Apple künftig selbst

Ziel ist, Kunden zu halten und neue hinzu zu gewinnen. Dabei spielt auch die Verknüpfung und nahtlose Synchronisierung der Smartphones mit Laptop- und Desktoprechnern eine wichtige Rolle, die privat, aber vielfach auch professionell genutzt werden. Die Chips dieser Computer sollen künftig aus dem eigenen Haus kommen – eine 15 Jahre währende Allianz mit Intel geht damit zu Ende. “Wir können viel bessere Produkte bieten”, nannte Apple-Chef Tim Cook als Begründung. Die hausgemachten Chips sollen höhere Sicherheit und längere Lebenszeiten von Batterien ermöglichen.

“Big Sur”: Neues Betriebssystem

Mit den Prozessoren kommt zugleich eine neue Betriebssystemvariante mit der Bezeichnung Big Sur. Sie übernimmt das Design von iOS 14 inklusive der Widgets und anderer neuer mobiler Anwendungen etwa bei den Maps. Auf der virtuellen Entwicklerkonferenz zeigten Apple-Manager wie gut Big Sur mit Apple-Chips funktioniert.

Der Hintergrund: In der jüngeren Vergangenheit hat Apple die Prozessoren für die iPhones kontinuierlich schneller und effizienter beim Energieverbrauch gemacht. Bei Intel verlangsamte sich die Entwicklung. Der Chiphersteller war 2005 mit Apple ins Geschäft gekommen. Zuvor setzte der damalige Chef Steve Jobs auf Power-PC-Prozessoren, die gemeinsam mit IBM und Motorola entwickelt wurden.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND