Samstag , 19. September 2020
Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), geht davon aus, dass Deutschland im Sommer mehr als drei Millionen Arbeitslose haben wird. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Bundesagentur für Arbeit rechnet mit drei Millionen Arbeitslosen

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass Deutschland im Sommer mehr als drei Millionen Arbeitslose haben wird. Vor allem Menschen mit befristeten Verträgen und Zeitarbeiter treffe die Corona-Krise hart. Dennoch könne der demografische Wandel Deutschland helfen, die Krise zu meistern.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, geht davon aus, dass die Agentur demnächst die schlechtesten Arbeitsmarktzahlen seit Langem verkünden werde. In einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” sagte Scheele, Deutschland werde im Sommer voraussichtlich die Drei-Millionen-Marke überschreiten. Danach sinke die Zahl hoffentlich wieder, so der Agenturchef.

Nach Aussagen von Scheele treffe die Corona-Krise vor allem Menschen mit befristeten Verträgen und Zeitarbeiter. Auch die Jugendarbeitslosigkeit steige an. In Bezug auf die Situation der erwerbstätigen Frauen in der Corona-Krise hoffe er, dass die Corona-Krise nicht alles zerstören werde, “was in Jahrzehnten an Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt erreicht wurde”.

Demografischer Wandel hilft Deutschland

Bezogen auf die Situation im Ausland betonte Scheele, dass Deutschland noch zufrieden sein könne, “wie wir durch die Krise kommen”. Die Jobagentur geht aktuell von fast sieben Millionen Kurzarbeitern in der Spitze und 2,2 Millionen im Jahresdurchschnitt aus, so Scheele weiter. Dies würde bis Jahresende Kosten von 30 Milliarden Euro entsprechen, von denen 4,7 Milliarden Euro vom Bund bezahlt werden müssten.

Scheele geht des Weiteren davon aus, dass nach der Corona-Krise “kein höherer Sockel an Arbeitslosen” bleibe. Der wirtschaftliche Einbruch liege am Virus, nicht an einer strukturellen Krise der deutschen Wirtschaft, so der Experte. Hinzu komme, dass Deutschland wegen des demografischen Wandels eher zu wenige als zu viele Arbeitskräfte habe.

RND/casc