Samstag , 31. Oktober 2020
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Corona: Lauterbach warnt vor Reisen von Menschen aus Region Gütersloh

Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies im Landkreis Gütersloh hat sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vorerst gegen einen Lockdown für die Region entschieden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kann das nicht nachvollziehen. Er warnt vor einem freien Reiseverkehr für die Menschen aus der Region.

Düsseldorf/Warendorf. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor einem freien Reiseverkehr der Menschen aus der Region Gütersloh. “Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind”, sagte Lauterbach der “Rheinischen Post”. Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen, sagte der studierte Epidemiologe.

Bislang gilt im Kreis Gütersloh für die Angestellten, Arbeiter und deren Angehörige des betroffenen Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück eine Quarantäne. 1331 waren positiv auf das Corona-Virus getestet worden (Stand Sonntag).

Laschet hält Infektionsgeschehen für klar eingrenzbar

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schließt einen Lockdown für den ganzen Kreis zwar weiterhin nicht aus – bislang aber gibt es keinen, weil der Ausbruchsherd lokal eingrenzbar sei.

Daran übte Lauterbach scharfe Kritik: “Es ist falsch, dass es jetzt keinen kurzen Lockdown mit einem massiven Testaufgebot gibt, um das tatsächliche Infektionsgeschehen in der Region anhand genügend großer Stichproben genau einschätzen zu können.”

Bundesregierung: Alles tun, um Ausbruch einzudämmen

Derweil setzt die Bundesregierung auf umfassende Maßnahmen vor Ort, um die Ausbreitung von Corona-Infektionen rund um den Schlachtbetrieb von Marktführer Tönnies in Westfalen einzugrenzen. Es handele sich um einen “massiven Ausbruch”, der sehr ernst zu nehmen sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Für die Region bestehe ein hohes Infektionsrisiko. Es sei nun alles zu tun, um diesen Ausbruch einzudämmen.

Laut Bundesgesundheitsministerium sind seit vergangenem Samstag auch drei Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor Ort. Im Landkreis helfen demnach zudem 15 RKI-Mitarbeiter beim Nachverfolgen von Kontakten, im Nachbarlandkreis Warendorf drei Mitarbeiter.

Laut Verteidigungsministerium unterstützen momentan 39 Mitarbeiter der Bundeswehr die Corona-Reihentests, auch mit eigenen Testteams.

1331 Corona-Infizierte im Kreis Gütersloh

Über die konkreten Maßnahmen zur Eindämmung entscheide das Land Nordrhein-Westfalen, betonte die Bundesregierung. Sie verwies auch auf schon örtlich verhängte Schließungen von Schulen und Kitas und Anordnungen von Quarantäne in den umliegenden Kreisen.

Am Wochenende waren zunächst mehr als 1331 Infizierte registriert worden. In den vier Krankenhäusern im Landkreis wurden am Sonntag 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Sechs Personen lagen auf der Intensivstation. Der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück ist vorerst geschlossen.

RND/dpa