Sonntag , 27. September 2020
Uncle Ben‘s ändert seinen Namen – und das ist gut so, meint unser Autor. Quelle: imago/Rüdiger Wölk

Es war Zeit, dass Uncle Ben’s sein Logo ändert

Die Mars-Gruppe will aufgrund der aktuellen politischen Rassismusdebatte Onkel Ben verschwinden lassen – das ikonische Gesicht eines gütigen schwarzen Senioren, der bisher von jeder Packung des Reisherstellers lächelte. “Aunt Jemima”, eine in den USA überaus populäre Firma für Pancaketeig und Ahornsirup, will es “Uncle Ben‘s Rice” nachtun. Aber ist das wirklich die angemessene Reaktion auf die Ereignisse in Amerika, fragt sich Daniel Killy.

Jeder, der in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, kennt sie – Aunt Jemima, wie sie so hold von der Sirupflasche herab lächelt – seit 1889 gibt es die Marke, durch alle Zeitläufte begleitet von einem freundlichen Gesicht. Heute gehört es zum Pepsi-Konzern. Dieser Frau muss man einfach vertrauen, die macht bestimmt die besten Pancakes. Nun sollen sowohl sie wie auch der milde lächelnde Uncle Ben von den Packungen verschwinden. Man wolle damit auf die Rassismusdebatte reagieren, heißt es aus den Firmenzentralen.

Auf den ersten Blick wirkt derlei Bildersturm – wie jeglicher Versuch einer Negierung historischer Fakten durch Tilgung ihrer Symbole – übereilt und lachhaft. Auch mir wurde mit dem freundlichen Gesicht des fröhlichen, schwarzen Onkels in meiner amerikanischen Kindheit der Reis näher gebracht. Ganz zu schweigen von den süßen Versuchungen der Tante Jemima.

Dem “Sarotti-Mohr”, dem glücklicherweise ein zeitgemäßer Common Sense den Garaus gemacht hat, weint niemand nach. Doch schlägt die politische Korrektheit im Fall von Reis und Sirup diesmal nicht über die Stränge?

Die Antwort ist nein. Die Reaktion der Unternehmen geht noch nicht weit genug. Denn was wenige (weiße) Menschen heutzutage nicht wissen oder wahrhaben wollen: Die Perfidie steckt nicht in den warmherzigen Gesichtern, sie verbirgt sich hinter den Namen der Firmen beziehungsweise der Produkte.

Eine Anrede als Demütigung

Die heimelig anmutende Bezeichnung “Uncle” oder “Aunt” wurde nämlich gegenüber älteren Sklaven verwendet – ihnen waren Höflichkeitstitel wie Herr oder Frau verwehrt. So wurden sie mit jedem Mal, bei dem die distanzlose Anrede Onkel oder Tante verwendet wurde, aufs Neue gedemütigt.

Es ist also hohe Zeit, dass “Onkel” und “Tante” von den Packungen verschwinden. Aber in dem Kontext sollte man jetzt nicht hochnäsig gen Amerika blicken. Denn auch wir sind nicht gefeit gegen rassistische Entgleisungen in der Werbung – man denke nur an den jüngsten Skandal um den VW-Spot.

RND

Von Daniel Killy/RND