Es ist die Stunde der Wahrheit für die rund 28.000 Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof. Quelle: Oliver Berg/dpa

Galeria Karstadt Kaufhof präsentiert Schließungspläne

Es sind bange Stunden für die rund 100 Angestellten der Lüneburger Karstadt-Filiale: Noch immer wissen sie nicht, ob der hiesige Standort zu den 62 Häusern gehört, die bundesweit geschlossen werden sollen. Am Nachmittag soll Genaueres bekannt gegeben werden, Lüneburgs Karstadt-Chef Eberhard Wedler hat für die Mittagsstunden den Betriebsrat einbestellt. "Wir sind ja krisenerprobt, aber das zerrt schon gewaltig an den Nerven", schildert eine Angestellte.
Niedersachsenweit sollen sechs Standorte geschlossen werden, laut Medienberichten sind darunter Goslar, Braunschweig, Osnabrück und Hannover.

Essen. Es ist die Stunde der Wahrheit für die rund 28.000 Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof: Gegen 14 Uhr am Freitag (19. Juni) will die Geschäftsführung des Warenhauskonzerns nach dpa-Informationen die Mitarbeiter über die Schließungspläne für 62 der 172 Filialen informieren.

Schon zwei Stunden früher sollen die Führungskräfte Details der Zukunftsplanung erfahren. Bisher ist noch unbekannt, welche Filialen betroffen sein werden. Durch die Schließung und weitere Sparmaßnahmen dürften Tausende Stellen bei dem Konzern wegfallen.

Zahl der Filialschließungen fällt geringer aus als erwartet

Die Zahl der Filialschließungen fällt allerdings etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch konnte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhindert werden.

Der Handelsriese war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Gefahr der Verödung vieler Innenstädte

Auch in vielen Kommunen dürfte die Bekanntgabe der Schließungsfilialen mit großer Unruhe erwartet werden. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Karstadt Kaufhof ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen. Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

RND/dpa