BMW hat sich mit dem Betriebsrat auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Mit Abfindung in Frührente: BMW will 6000 Stellen streichen

BMW will ohne betriebsbedingte Kündigungen tausende Stellen streichen. Der Betriebsrat zieht mit und hat dem Maßnahmenpaket des Autobauers zugestimmt. Unter anderem soll der Stellenabbau durch Fluktuation umgesetzt werden. Der Konzern beschäftigt derzeit weltweit etwa 126.000 Mitarbeiter.

München. Nun kürzt auch BMW wegen Absatzeinbrüchen durch die Pandemie beim Personal. Ende des Jahres soll der Personalstand leicht unter Vorjahr liegen, erklärte der Konzern nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Im BMW-Jargon bedeutet “leicht” fünf Prozent, was auf den Personalstand von 126.000 Beschäftigten gerechnet rund 6.000 vom Abbau betroffene Stellen vor allem in Deutschland bedeutet.

Zu betriebsbedingten Kündigungen, wie sie bei Konkurrenten drohen, kommt es aber nicht. “Wir werden auch weiter unseren eigenen BMW-Weg gehen”, sagt Personalchefin Ikla Horstmeier. Vor allem natürliche Fluktuation und Abfindungen werden beim Abbau des Stammpersonals von hier zu Lande noch 88.000 Arbeitsplätzen genutzt.

Abbau von Leiharbeitern geht weiter

Die Vereinbarungen betreffen allerdings nicht Leiharbeiter, deren Zahl beim BMW dem Vernehmen nach drastisch reduziert werden soll. Einige tausend Leiharbeiter seien bereits gestrichen worden, sagen Insider. In dieser Dimension dürfte deren Abbau auch weitergehen, heißt es. BMW hat zuletzt gut 10.000 Leiharbeiter beschäftigt.

“Das war keine leichte Entscheidung, es sind sehr einschneidende Maßnahmen”, erklärt Horst Lischka, der für die IG Metall im BMW-Aufsichtsrat sitzt und die Verhandlungen begleitet hat. Gleichwohl seien die Einschnitte beim Stammpersonal notwendig geworden, weil sich BMW wie alle Autohersteller wegen der Corona-Krise in einer dramatischen Situation befinde und Kapazitäten reduziert werden müssten.

Sparpaket beinhaltet Abfindungen für Mitarbeiter nahe des Rentenalters

Das laut IG Metall über zwei Jahre laufende Sparpaket gliedert sich in mehrere Punkte. Allein altersbedingt scheiden bei BMW im Schnitt jährlich rund 5.000 Beschäftigte aus, die nun nicht mehr ersetzt werden. Zudem wird Mitarbeitern nahe des Rentenalters eine Abfindung zum vorzeitigen Verlassen des Unternehmens geboten. Darüber hinaus werden junge Beschäftigte unter 25 Jahre auf Wunsch freigestellt. Sie können dann einen Meister zu machen oder ein Studium in einem relevanten Fachgebiet zu absolvieren, was mit einem Recht auf Rückkehr ins Unternehmen garniert wird.

Schnell Geld beim Personal sparen will BMW per Beendigung von Arbeitsverträgen über 40 Stunden wöchentlich, die bisher im Einvernehmen zwischen Konzern und Mitarbeitern geschlossen wurden. Diese Verträge werden komplett auf 38 Stunden reduziert. Im Vorfeld gefordert hatte das Management eine Reduzierung auf die branchenübliche Tarifarbeitszeit von 35 Wochenstunden. Das haben Betriebsrat und IG Metall in den Verhandlungen verhindert. Dem Vernehmen nach sind von der neuen Arbeitszeitregelung einige Tausend Beschäftigte betroffen, die in diesem Punkt kein Wahlrecht haben. Anders ist das bei einem tariflichen Zusatzgeld, das BMW-Beschäftigte nun freiwillig in sechs bis acht zusätzliche Urlaubstage umwandeln können.

Ausbildungsplätze bleiben erhalten

Nicht antasten will BMW in der Krise das interne Ausbildungsniveau. So werden dieses und nächstes Jahr in Deutschland jeweils wieder 1.200 Auszubildende eingestellt und übernommen. Management und IG Metall werten die Vereinbarung gleichermaßen als sozial ausgewogen. Gemessen an dem, was bei Premiumkonkurrenten droht, dürfte das BMW-Personal glimpflich davonkommen. Was der Stellenabbau einmalig kostet und welche langfristigen Spareffekte damit finanziell verbunden sind, verschweigen BMW und IG Metall. Ob sie in der Krise ausreichen oder dem Personal weitere Einschnitte drohen, zeige die Autokonjunktur 2021, betont ein Insider.

Von Thomas Magenheim/RND