Blick auf die Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Chemnitz. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Galeria Karstadt Kaufhof plant Schließung von 62 Filialen

Lange haben die Sanierer der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof mit den Arbeitnehmervertretern gerungen. Jetzt gibt es ein Ergebnis. Für viele Beschäftigten ist es bitter.

Essen. Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will 62 seiner 172 Filialen schließen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen. Eine entsprechende Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaften sollte noch am Donnerstagabend unterschrieben werden.

Am morgigen Freitag sollen die Mitarbeiter über die Einigung intern informiert werden, wie der “Kölner Stadt-Anzeiger” berichtet. Ein nennenswerter aber nicht bezifferter Stellenabbau stehe insbesondere in der Essener Zentrale der Kaufhauskette an. Es fehle aber noch die Zustimmung des Gläubigerausschusses zu den Sanierungsplänen. Das Gremium berate dazu in einer Sitzung am Montag.

Die Zahl der Filialschließungen fällt etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 der 172 Filialen geschlossen werden könnten.

Karstadt Kaufhof Filialschließungen dürften in Kommunen für Unruhe sorgen

Der ohnehin rote Zahlen schreibende letzte große deutsche Warenhauskonzern war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. “Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen”, beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme.

Die angekündigten Filialschließungen dürften in den betroffenen Kommunen für erhebliche Unruhe sorgen. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. “Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant”, sagte er. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

RND/dpa