Montag , 28. September 2020
Wirecard-Chef Markus Braun wurde einst als Börsenstar gefeiert. Quelle: Lino Mirgeler/dpa

Wirecard-Chef am Pranger: Wer ist Markus Braun?

Markus Braun hat den Bezahldienstleister Wirecard zu einem der größten Erfolge in der deutschen High-Tech-Szene gemacht. Er wurde als quasi unfehlbarer Guru gefeiert. Nun läuft er Gefahr, sein Lebenswerk selbst einzureißen.

Aschheim. Viel ist über Wirecard-Chef Markus Braun nicht bekannt: Anders als viele IT-Unternehmer in den USA ist der 1969 geborene Wirtschaftsinformatiker kein Manager, der das Rampenlicht sucht.

Für ihn scheint einzig das Unternehmen wichtig

Der Österreicher ist der Mann, der den Bezahldienstleister Wirecard zu einer der größten Erfolgsgeschichten der deutschen High-Tech-Szene gemacht hat, für manche Privatanleger ist er ein quasi unfehlbarer Guru. Wer Wirecard bislang kritisierte, riskierte wütende Proteste und sogar Drohungen von Braun-Anhängern, wie aus der Börsenszene verlautet.

Über sein Privatleben spricht Braun nicht, studiert hat er in Wien. Bei Presseterminen und Hauptversammlungen wirkt er mit nicht perfekt sitzender Kleidung und Brille gelegentlich etwas verknittert, der Manager macht keine Scherze und spricht ausschließlich über das Unternehmen.

Vorwürfe wegen mangelnder Transparenz und Informationspolitik

Doch nun läuft Braun Gefahr, sein Lebenswerk selbst wieder einzureißen. Als die Londoner “Financial Times” das Unternehmen vor über einem Jahr mit einer Serie von Vorwürfen möglicher Bilanzmanipulationen in Bedrängnis brachte, schaltete Braun auf Abwehr und wies sämtliche Vorwürfe kategorisch zurück. Da sei überhaupt nichts dran, sagte er 2019 mehrfach.

Auch institutionelle Anleger – die sich mit Kritik an Unternehmen normalerweise zurückhalten – warfen Braun deswegen schon im vergangenen Jahr mangelnde Transparenz und schlechte Informationspolitik vor. Ein verbreiteter Kritikpunkt: Wirecard ist nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre mittlerweile ein großes Unternehmen, werde aber immer noch geführt wie ein kleiner Mittelständler – mit Braun als dominanter Figur an der Spitze. Wirecard ist Brauns Lebenswerk, er ist mit einem Anteil von sieben Prozent auch der größte Aktionär des Unternehmens.

Schon lange Ziel von Spekulanten

Brauns Abwehrhaltung hat eine Vorgeschichte: Tatsächlich ist Wirecard seit langem Ziel von Spekulanten. Schon vor zehn Jahren ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft wegen möglicher Kursmanipulationen gegen Spekulanten. Das wiederholte sich seither mehrfach.

2019 gab Braun eine Sonderuntersuchung in Auftrag, die beweisen sollte, dass alle Vorwürfe haltlos waren. Diese Sonderuntersuchung aber brachte das Ausmaß der Ungereimtheiten erst ans Tageslicht. Doch Braun erklärte lang, dass die Prüfer keine Indizien für Manipulationen gefunden hätten.

RND/dpa