Wirecard steht unter erheblichem Druck. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Wirecard-Skandal: Alle sehen schlecht aus

Wirecard hat sich stets als Opfer böswilliger Spekulanten geriert. Daran gibt es erheblichen Zweifel. Dabei zeigt der Skandal auch Fehler im System, meint Thomas Magenheim.

Dax-Konzerne sind wahrlich nicht über Skandale erhaben. Das hat zuletzt VW mit dem Dieselbetrug vorexerziert. Aber zumindest ihre Bilanzen sollten sie im Griff haben. Das hat der Zahlungsdienstleister Wirecard erkennbar nicht, und das könnte am Ende noch die harmloseste Erkenntnis sein. Seit eineinhalb Jahren steht das Unternehmen im Zentrum von Manipulationsvorwürfen um künstlich aufgeblähte Bilanzen. Wirecard hat stets alles zurückgewiesen und sich als Opfer böswilliger Spekulanten dargestellt. Bezweifeln durfte man das schon länger, aber nun mehren sich Verdachtsmomente dramatisch, die Wirecard eine Täterrolle zuweisen.

Das Unternehmen sah sich durch eine Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfer von KPMG reingewaschen, doch wer den Bericht studiert, muss zur gegenteiligen Erkenntnis gelangen. KPMG rügte schwere Mängel und konnte nicht sagen, ob bilanzierte Geschäfte im großen Umfang wirklich existieren oder nicht.

Viele haben das Treiben von Wirecard lange wohlwollend begleitet

Erst danach verweigerten auch die Kollegen von EY das Testat für die Bilanz, das sie jahrelang stets gegeben hatten. Auch die Finanzaufsicht Bafin und die Deutsche Börse haben das Treiben lange recht wohlwollend begleitet. Die Bafin hatte sich zunächst sogar auf die Seite von Wirecard gestellt und Spekulationsgeschäfte mit der Aktie zeitweise verboten. Der Schwenk mit einer Strafanzeige gegen den Dax-Konzern kam spät.

Bafin und Deutsche Börse können sich dahinter verschanzen, dass sie vielfach nur Formalien prüfen sollen und nicht die inhaltliche Richtigkeit. Das ist ein Fehler des Systems. Letztlich wird es wohl wie bei VW wieder Staatsanwälten und Gerichten vorbehalten bleiben, die Schuldfrage zu klären. Wenigstens auf dieser Ebene funktioniert die Wahrheitsfindung meistens.

Von Thomas Magenheim/RND