Mittwoch , 30. September 2020
Beim Schlachtereibetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind seit Anfang der Woche 400 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Quelle: Bernd Thissen/dpa

Tönnies-Schließung: Bis zu 20 Prozent weniger Fleischprodukte auf dem Markt

Beim Fleischbetrieb Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück sind bereits 400 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wegen der vorübergehenden Schließung des Betriebs könnten auf dem deutschen Markt 20 Prozent der Schweinefleischprodukte fehlen.

Gütersloh. Durch die Schließung des Schlachtbetriebs bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück fehlen nach Angaben des Gütersloher Landrats 20 Prozent der Fleischprodukte auf dem deutschen Markt. „Das ist noch kein Grund hier zu Hamsterkäufen zu greifen, wie es beim Klopapier vielleicht der Fall war. Aber das ist schon eine deutliche, hohe Zahl“, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Mittwoch.

Tönnies ist Marktführer bei Schlachtung von Schweinen

Auch die Schweinezüchter seien durch den Stopp des Schlachtbetriebs vor Probleme gestellt, weil ihre Schweine so gezüchtet werden, dass sie zu einem bestimmten Termin schlachtreif seien. Die Tönnies-Gruppe bemüht sich nach eigenen Angaben, an anderen Standorten die Produktion zu steigern, um die Ausfälle zu kompensieren.

Mit einem Marktanteil von 30,3 Prozent bleibt die Tönnies-Gruppe auch 2019 mit großem Abstand Marktführer bei Schweineschlachtungen in Deutschland. Im Vergleich dazu liegen die Schlachthöfe der Westfleisch-Gruppe, in deren Betrieben in Coesfeld und Dissen sich Anfang Mai mehrere hundert Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert hatten, mit einem Marktanteil von 13,8 Prozent nur auf Platz drei.

Preise für Schweinefleisch auf Tiefstwert

Laut “Ernährungsreport 2020” essen die Deutschen zwar immer weniger Fleisch, doch im weltweiten Vergleich liegt der Fleischkonsum noch immer über dem Durchschnitt. Die bislang niedrigen Schlacht- und Verkaufspreise stehen in der Kritik. Erst kürzlich kündigte Aldi an, seine Preise für Wurstwaren weiter zu senken. Diese Entscheidung begründete der Discounter mit der schlechten Marktlage für Schweinefleisch.

“Der Einzelhandel ist maßgeblich für die Preisgestaltung verantwortlich”, sagte Foodwatch- Dario Sarmadi gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Aus diesem Grund würden auch die Margen der Landwirte seit Jahren sinken. Beim Schlachtbetrieb Tönnies lagen die Preise für Schweine pro Kilogramm Schlachtgewicht bei 1,66 Euro, für Säue bei 81 Cent.

Ursache für Corona-Ausbruch noch unbekannt

Der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück wurde vorerst gestoppt. Der Kreis machte auch alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien dicht. 7000 Tönnies-Mitarbeiter sollen in Quarantäne. Dem Unternehmen zufolge ist noch nicht klar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe. Vertreter des Unternehmens sagten, es sei möglich, dass Mitarbeiter das Coronavirus eingeschleppt haben könnten. Viele der häufig aus Rumänien und Bulgarien stammenden Beschäftigten hätten die langen Wochenenden für Heimaturlaub genutzt.

Laut Landrat Adenauer wurden 1050 Tests durchgeführt, wobei von bisher 589 ausgewerteten 395 positiv ausgefallen seien. Allerdings sei es noch zu früh für eine abschließende Bewertung. Die Reiserückkehrer seien allenfalls einer von mehreren Faktoren. Außerdem zeige sich, dass gerade die gekühlten Räume die Verbreitung begünstigen könnten.

RND/mf/dpa