Eine Boeing 747 der Lufthansa startet auf dem Flughafen: Der Konzernvorstand hat vor einem Scheitern des milliardenschweren Rettungspaketes auf der außerordentlichen Hauptversammlung gewarnt. Quelle: Boris Roessler/dpa

Lufthansa-Vorstand warnt vor Scheitern des Rettungspakets

Kritische Äußerungen des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele sowie die Aufstockung seines Aktienanteils an der Lufthansa machen den Konzernvorstand nervös. Die wegen der Corona-Krise in Not geratene Fluggesellschaft warnt vor einem Scheitern des milliardenschweren Rettungspaketes. Kleinaktionäre sollen eine stärkere Präsenz bei der außerordentlichen Hauptversammlung zeigen.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa hat vor einem Scheitern des milliardenschweren Rettungspakets auf der außerordentlichen Hauptversammlung gewarnt. Dies würde bedeuten, dass die Deutsche Lufthansa AG möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt”, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit.

Hintergrund sind Äußerungen des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele in einem Interview in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, in denen er Kritik an dem Rettungspaket insbesondere an dem geplanten Einstieg des Bundes geäußert hatte. Die Lufthansa schreibt dazu:

Großaktionär Thiele könnte zum Problem werden

“Der Vorstand geht aktuell davon aus, dass die Präsenz bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni unter 50 Prozent liegen wird. Er hält es angesichts der jüngsten öffentlichen Äußerungen des größten Einzelaktionärs, Heinz-Hermann Thiele, für möglich, dass das Stabilisierungspaket die in diesem Fall erforderliche Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen verfehlen könnte”. Dann müsste der durch die Corona-Krise massiv angeschlagene Konzern ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen.

Der als schwierig geltende Großaktionär Thiele hatte am Dienstag verlauten lassen, dass er seinen Anteil an Lufthansa vor der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung über die meldepflichtige Schwelle von 15 Prozent aufgestockt habe. An diesem Aktionärstreffen soll über die Kapitalmaßnahmen und die 20 Prozent-Beteiligung des Bundes am Kranich-Konzern und damit verbunden über das Stabilisierungspakets in Höhe von neun Milliarden Euro entschieden werden.

Kleinaktionäre sollen Präsenz zeigen

Der Lufthansa-Vorstand ist augenscheinlich durch die Aufstockung des Thiele-Aktienpakets nervös geworden und forderte nun die Anlegerschaft auf, Präsenz auf der für das Unternehmen wichtigen Hauptversammlung zu zeigen: “Der Vorstand richtet an alle privaten und institutionellen Aktionäre den eindringlichen Appell, ihr Stimmrecht wahrzunehmen und an der Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens mitzuwirken.”

An der Börse reagiert der Aktienkurs der Lufthansa auf die neueste Entwicklung mit leichten Verlusten von 0,55 Prozent auf 10,44 Euro, nachdem die Aktie am Morgen noch fester notiert hatte.

Auf Sicht von 12 Monaten haben Aktionäre der Lufthansa mit den Anteilscheinen der Fluglinie mehr als 35 Prozent verloren. Seitens der Analysten gab es zuletzt viele Verkaufs-Empfehlungen für die Aktie - mit Kurszielen zwischen 6 und 8 Euro.

RND/casc