Samstag , 26. September 2020
Tuifly muss wie viele andere Airlines wegen der Buchungseinbrüche in der Corona-Krise massiv sparen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Tui: Betriebsbedingte Kündigungen für Verdi keine Option bei Tuifly

Der durch die Corona-Krise angeschlagene Tui-Konzern will vor allem im Ausland Tausende Stellen abbauen. Hinzu kommt ein Sparkurs bei Tuifly. Das Land Niedersachsen vermittelt jetzt zwischen Arbeitnehmern und Management der Airline. Es dürfte bei den Gesprächen nicht einfach werden.

Hannover. Vor dem Krisengespräch mit der niedersächsischen Landesregierung zum Jobabbau bei Tuifly mahnen Gewerkschafter das Management zur Einhaltung geltender Regelungen beim Kündigungsschutz.

Es gebe eine gültige Tarifvereinbarung, die Entlassungen eigentlich ausschließe, heißt es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Außerdem sehe eine bis Ende 2021 laufende Betriebsvereinbarung für den Konzern den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen vor. „Wir müssen in eine konstruktive Diskussion darüber kommen, wie eine sozialverträgliche Lösung aussehen kann“, betonte Verdi. „Tuifly muss in Deutschland weiterhin eine Perspektive haben.“ Am Montagvormittag sollen Vermittlungsgespräche im Wirtschaftsministerium in Hannover starten.

Schwierige Ausgangsposition

Das Kontrollgremium, in dem auch Verdi vertreten ist, hatte die Entscheidung über Details des geplanten Kürzungsprogramms bei Tuifly nach der Einladung von Minister Bernd Althusmann (CDU) zunächst vertagt. Konzernleitung, Betriebsräte und Gewerkschafter wollen mit dem Land nun erst einmal über die Lage beraten. Eine „Verringerung der Flotte auf nur noch 17 Flugzeuge und viele Standortschließungen“ könnten nicht Ausgangsposition für die Verhandlungen sein, hieß es.

Auch in der Verwaltung sowie in der Technik und Wartung der Maschinen dürfe es keinen Kahlschlag geben, forderte Verdi. Vor allem die „base maintenance“ – also regelmäßige, längere Checks von Flugzeugen – dürfe am Hauptstandort Hannover nach früheren Sparrunden nicht noch weiter ausgedünnt werden: „Dafür braucht man weiter qualifiziertes Personal – auch im Interesse der Flugsicherheit.“ Das Management überlege, große Teile nach Großbritannien und Belgien zu verlagern.

Buchungseinbrüche in der Corona-Krise

Die Zahl der Maschinen soll etwa halbiert werden, Hunderte Arbeitsplätze und drei Standorte stehen auf der Kippe. Weite Teile der Belegschaft lehnen das als unzumutbar ab.

Der Tui-Konzern bekommt einen staatlichen Milliardenkredit, um die schlimmsten Krisenfolgen abfedern zu können. In einem Brief an die Führung warnte ein “Krisenstab” der Belegschaftsvertreter davor, mit öffentlichem Geld einen Arbeitsplatzabbau durchzuziehen.

Kritik an Unternehmensführung

Es sei in den vergangenen Jahren überdies versäumt worden, die finanzielle Basis des Unternehmens hinreichend abzusichern – auch wegen der Auszahlung hoher Dividenden an die Aktionäre. “Pauschale Schließung von Stationen darf nicht sein”, so ein Verdi-Vertreter. “Auch der Technik- und Verwaltungsstandort Hannover muss gesichert werden.”

Auch beim staatlich geretteten Ferienflieger Condor droht wegen der Corona-Krise ein Stellenabbau. „Ich denke, wir werden, wie die anderen Fluglinien auch, etwa 15 bis 25 Prozent der Stellen abbauen müssen“, sagte Airline-Chef Ralf Teckentrup der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Das wären bei uns zwischen 650 und 1000 Stellen.“

RND/dpa