Donnerstag , 24. September 2020
Der Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft rechnet damit, dass die Nachfrage nur schrittweise zunehmen wird. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Nach Wegfall der Reisewarnungen: Flugangebote weiterhin eingeschränkt

Ab Montag entfallen die Reisewarnungen für die meisten EU-Länder. Trotzdem braucht die Flugzeugbranche weiter Zeit, um zu alter Stärke zurückzufinden.

Berlin. Für Reisende bleibt die Auswahl an Flügen auch nach dem Wegfall der Reisewarnungen begrenzt. Verglichen mit Juni 2019 bieten die Fluggesellschaften nach Branchenangaben im Laufe dieses Monats 14 bis 15 Prozent der üblichen Sitzplatzkapazität an.

“Das ist ein mutiges Angebot der Unternehmen und wir hoffen, dass die Buchungen entsprechend ansteigen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow. Die Nachfrage werde nur schrittweise wieder zunehmen. Deshalb müsse auch die pauschale Reisewarnung für Nicht-EU-Staaten aufgehoben werden.

Senken Schwebstofffilter das Ansteckungsrisiko?

Ende März war der Linienverkehr wegen der Corona-Pandemie nahezu zum Erliegen gekommen. Am Montag fallen die Reisewarnungen der Bundesregierung für alle EU-Länder außer Spanien und Schweden sowie für Großbritannien, Island und die Schweiz weg. Für mehr als 160 Staaten gelten sie zunächst weiter. Reisewarnungen sind Empfehlungen, keine Verbote.

 

Die Flugzeugbauer widersprachen Vermutungen, dass es in Flugzeugen ein hohes Ansteckungsrisiko gebe. Sie verweisen auf Schwebstofffilter (Hepa-Filter) in den Klimaanlagen. “Sie filtern 99,97 Prozent der Aerosole raus und sie sind in allen Flugzeugen Standard”, sagte Volker Thum, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. “Viren sind nichts Neues und das Coronavirus ist so groß wie andere auch.”

Fluggesellschaften setzen auf Maskenpflicht

Alle zwei bis drei Minuten wird die Kabinenluft nach Herstellerangaben ausgetauscht. Dabei wird gefilterte Luft mit Frischluft gemischt. „Sie wird oben eingeblasen und unten abgesaugt. Der vertikale Luftstrom ist wie eine Schutzwand.“ Dennoch hätten die Passagiere Verantwortung, müssten die Maskenpflicht einhalten und die Luftdüsen geöffnet lassen. „Das Wichtigste ist Disziplin und Problembewusstsein“, sagte Thum.

Die Fluggesellschaften lehnen es ab, für einen größeren Abstand unter den Fluggästen einzelne Plätze nicht zu vermarkten, etwa den Mittelsitz einer Dreierreihe. Auch Trennvorhänge oder Plexiglasscheiben soll es nicht geben. „Das Zusammenwirken von Luftaustausch, Hepa-Filtern und Maskenpflicht sind das A und O“, sagte von Randow. Damit werde das Flugzeug zum Verkehrsmittel mit dem geringsten Infektionsrisiko. Gänzlich ausgeschlossen ist eine Infektion jedoch nicht.

Die Europäische Luftsicherheitsagentur (EASA) empfiehlt zwar, den Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten. Sei dies aber wegen der Passagierzahl nicht möglich, müssten andere Schutzvorgaben jederzeit eingehalten werden: Masken, strikte Handhygiene sowie Husten- und Niesen in die Armbeuge – auch beim Tragen einer Maske.

RND/dpa