Donnerstag , 29. Oktober 2020
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: "Wirtschaftliche Erholung nicht abwürgen." Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Wirtschaft warnt vor neuem Corona-Lockdown: “Erholung nicht abwürgen”

Mit wachsender Sorge beobachtet die Deutsche Wirtschaft die steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt bereits vor den Folgen eines neuerlichen Lockdowns. Laut einer Umfrage glauben vier von fünf Deutschen, dass die Regeln zur Eindämmung der Pandemie wieder verschärft werden.

Berlin. Angesichts steigender Neuinfektionszahlen mit dem Corona-Virus warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor den wirtschaftlichen Folgen eines neuerlichen Lockdowns. “Die Wirtschaft wirbt dafür, die möglicherweise notwendigen Maßnahmen wenn eben möglich so auszugestalten, dass die wirtschaftliche Erholung nicht abgewürgt wird”, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Die Unternehmen haben noch immer mit den wirtschaftlichen Folgen eines flächendeckenden Lockdowns zu kämpfen. Neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten gehören dazu flexible Arbeitszeitmodelle, um die Anwesenheit im Betrieb zu steuern”, so Wansleben weiter. “Zudem haben die Unternehmen geeignete Hygienekonzepte aufgebaut.”

Die steigenden Infektionszahlen kommentierte der DIHK-Hauptgeschäftsführer besorgt. “Die aktuelle Datenlage in Deutschland und in wichtigen Partnerländern zeigt, dass die Corona-Krise für die deutsche Wirtschaft bei Weitem noch nicht überstanden ist”, sagte er.

“Um die wirtschaftliche Belebung zu stärken, brauchen wir jetzt einen politischen Dreiklang: permanente Nachschärfung der Krisenbewältigungsmaßnahmen; keine neuen Belastungen, stattdessen eine konsequente Förderung von Innovationen und Investitionen in Deutschland und eine schnelle Umsetzung des europäischen Rettungspakets”, fügte Wansleben hinzu.

Laut einer Umfrage erwarten 82 Prozent der Menschen in Deutschland, dass bis Jahresende die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch einmal verschärft werden. Das berichtete das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” am Donnerstag. Demnach gehen von diesen wiederum 42 Prozent davon aus, das die Beschränkungen noch umfassender sein werden als im Frühjahr 2020.

31 Prozent glauben hingegen, dass die Einschränkungen lockerer ausfallen werden. 26 Prozent rechnen mit den gleichen Maßnahmen wie im Frühjahr.

Mehr als die Hälfte befürchtet wirtschaftliche Folgen

Im Auftrag des “Spiegels” hatte das Meinungsforschungsinstitut Civey vom 3. bis 5. August repräsentativ rund 5000 Menschen in Deutschland befragt. Mehr als die Hälfte davon (52 Prozent) gaben an, dass ihrer Ansicht nach eine deutliche Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen sehr negative Folgen für die Wirtschaft haben würde.

36 Prozent sprachen von “eher negativen” Folgen für die Wirtschaft. 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie konkret mit persönlichen finanziellen Einbußen rechnen, sollten die Schutzmaßnahmen noch einmal deutlich verschärft werden.

RND mit epd

Von Andreas Niesmann/RND