Freitag , 18. September 2020
Die Anwohner des neuen Hauptstadtflughafens BER müssen für den Lärmschutz Umbauten vornehmen. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Kurz vor der Eröffnung: Lärmschutz für viele BER-Anwohner fehlt

Nach sagenhaften 14 Jahren Bauzeit ist es soweit: In weniger als drei Monaten soll der neue Hauptstadtflughafen BER an den Start gehen. Eine Großbaustelle bleibt jedoch: In vielen umliegenden Häusern fehlt der Schallschutz, für den die Hausbesitzer umfassende Umbauten vornehmen müssen.

Schönefeld. Kurz vor der geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER fehlt in den Häusern Tausender Anwohner noch der Schallschutz. Von 26.000 Berechtigten haben nach Flughafen-Angaben erst 377 den vorgesehen Umbau vollständig abgeschlossen und die Kosten durch den Flughafen erstatten lassen. Bei weiteren 1168 wurden Teile der Baumaßnahmen umgesetzt.

Eröffnung soll Ende Oktober stattfinden

“Manche Anwohner haben bisher gezweifelt, dass die Eröffnung des BER tatsächlich stattfindet”, sagte der Leiter des Schallschutzprogramms, Lars Wagner. “Nun ist es höchste Zeit, die Schallschutzmaßnahmen umsetzen zu lassen. In weniger als drei Monaten eröffnet der BER.” Geplanter Termin ist der 31. Oktober 2020.

Die Inbetriebnahme des Flughafens an der Berliner Stadtgrenze hatte sich wegen Baumängeln, Technikproblemen und Umplanungen um neun Jahre verzögert. Auch beim Lärmschutz für die Anwohner mussten die Betreiber nachbessern. Die Kosten für das Programm verfünffachten sich nach Gerichtsurteilen auf bis zu 755 Millionen Euro.

BER zahlt Anwohnern Entschädigung

Allerdings sind bis Ende Juli erst für 13.654 Wohneinheiten Anträge auf Schallschutz eingegangen. Fast jeder zweite Anwohner zögert also noch. “Die Vorgaben zum Lärmschutz bedeuten sehr weitgehende bauliche Eingriffe, deshalb schrecken viele Betroffene vermutlich davor zurück”, sagte Wagner.

Anträge für gut 12.800 Haushalte hat die Flughafengesellschaft bearbeitet. In mehr 7000 Fällen davon haben die Eigentümer keine Erstattung von Baukosten erhalten, sondern eine Entschädigung in Höhe von 30 Prozent ihres Hauswertes. So sieht es die Planfeststellung vor, wenn die Kosten für den notwendigen Schallschutz über diesem Wert lägen. Die Entschädigung fließt ohne Zweckbindung, das Geld kann auch für Reisen, ein neue Auto oder alles andere ausgegeben werden.

Fenster, Wände, Dach und Decken müssen umgebaut werden

„Ich kann nur noch einmal dringend an alle Entschädigten appellieren, die Gelder tatsächlich in den Schallschutz zu investieren, damit es kein böses Erwachen gibt“, sagte Wagner. „Wir bieten dafür weiterhin eine kostenlose Beratung an.“ Dazu dient auch der letzte Schallschutztag vor der BER-Eröffnung am 13. August in Schönefeld.

Schallschutz erhalten die Häuser etwa durch neue Fenster, Dämmung an Dach, Decken, Wänden und Rollladenkästen sowie den Einbau von Lüftern. „Wer nicht alles auf einmal machen möchte, kann schrittweise sein Haus schützen“, empfahl Wagner.

RND/dpa