Montag , 26. Oktober 2020
In Deutschland gehen immer mehr Beamte - vor allem Richter - aufgrund von Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand. Quelle: dpa

Mitte 50 in den Ruhestand: Die Zahl der dienstunfähigen Beamten steigt

Die Zahl der vorzeitigen Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit bei Beamten in Deutschland sind zuletzt deutlich gestiegen. Der Deutsche Beamtenbund schlägt Alarm und warnt vor einem massiven Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst.

In Deutschland gehen immer mehr Beamte aufgrund von Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand. Wie aus dem siebten “Versorgungsbericht der Bundesregierung” hervorgeht, ist zudem die Zahl der Frühpensionäre auf einen Rekordwert gestiegen. Laut dem Bericht vom März 2020 lag im Jahr 2018 der Anteil der vorzeitig in Ruhestand gegangenen Bundesbeamten bei 12,2 Prozent. Gleichzeitig versucht der Bericht die Zahlen zu relativieren: “Die Fallzahlen liegen jedoch weiterhin deutlich unter früherem Niveau”, heißt es offiziell.

Im Schnitt 54 Jahre alt

Im Jahr 2018 waren es 580 Fälle, im Jahr 2000 noch rund 1200 Fälle. Derzeit sind beim Bund fast 200.000 Beamte beschäftigt. Aktuell liegt laut dem Bericht das Durchschnittsalter aller Bundesbeamten, die wegen Dienstunfähigkeit in Ruhestand gehen, bei ungefähr 54 Jahren.

Das Problem mit dem Anteil der Beamten des Bundes, die relativ früh in den Ruhestand gehen, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2016 hatte sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, die Zahl der wegen Dienstunfähigkeit frühpensionierten Beamten zu reduzieren.

Damals wurde laut de Tageszeitung “die Welt” ein Rundschreiben an alle obersten Bundesbehörden verschickt. Der Bund wollte sein Ziel unter anderem mit Rehabilitationsmaßnahmen erreichen. Ebenso wollte der Bund die Quote der Frühpensionäre reduzieren, in dem er Abschläge auf die Pensionshöhe bei vorzeitigem Ruhestand einrechnete bzw. einbaute.

Finanzielle Einbußen schrecken die wenigstens ab

Doch diese finanziellen Einbußen scheinen viele Beamte in der jüngeren Vergangenheit nicht abgeschreckt zu haben. Im Jahr 2018 haben dem Bericht zufolge vier Prozent aller Ruheständler die Abschläge des Bundes bei ihrer Pension bewusst in Kauf genommen und aktiv um eine Frühpensionierung gebeten.

Letztlich wurde die Quote aus dem Jahr 2014, als noch die Zahl der Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit bei 7,2 Prozent lag, bisher nie wieder erreicht. Seitens des Deutschen Beamtenbundes wird schon vor einem massiven Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst gewarnt. “Wir steuern auf einen Systemkollaps zu, wenn nicht schnell gegengesteuert wird”, sagte Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes dbb, gegenüber “der Welt”. Der dbb vertritt als Gewerkschaftsdachverband rund 1,3 Millionen Mitglieder.

Doppelte Kosten für den Bund

Frühzeitig aus dem Dienst ausscheidende Beamte führen nicht nur dazu, dass Fachkräftemangel aufkommen könnte und wichtiges Know-How vor Ort verloren geht, es kostet den Bund auch sehr viel Steuergeld: Laut Experten kostet ein Beamter mit Frühpension den Staat rechnerisch etwa doppelt so viel wie ein Beamter, der bis zur Regelaltersgrenze arbeitet.

Der Anstieg der dienstunfähigen Ruheständler kommt weniger durch Soldaten, sondern vielmehr durch Richter und andere Beamte. In der Überalterung und der steigenden Arbeitsbelastung sieht Experte Silberbach die beiden Hauptgründe für den vorzeitigen Gang in die Pension der betroffenen Beamten. Weniger Beschäftigte müssten immer mehr Aufgaben erfüllen, so der Gewerkschaftsvertreter und ergänzt gegenüber der Tageszeitung “die Welt”: “Nicht erst seit der Migrations- oder der Corona-Krise geht der öffentliche Dienst auf dem Zahnfleisch.”

Laut der Tageszeitung attestieren auch Ärzte, dass viele Beamte nach Jahrzehnten im Dienst psychisch wie auch physisch ausgebrannt seien.

RND/casc