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"Daumen hoch" für fairen Kaffee. Doch wann ist ein Kaffee-Produkt fair? Und auf welche Siegel sollte man beim Kauf achten? Quelle: Susanne Jutzeler/suju-foto/Pixabay

Fairtrade, UTZ und Co.: So erkennen Sie fairen und nachhaltigen Kaffee

Des Deutschen liebstes Getränk ist nicht etwa Bier oder Wasser – sondern Kaffee. 152 Liter werden jährlich pro Kopf konsumiert. Dabei entscheiden vor allem Geschmack und Preis über den Kauf. Doch woran erkennt man einen nachhaltigen und fair produzierten Kaffee?

“Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub”, soll Franz Kafka einst gesagt haben. Viele Deutsche scheinen damit d’ac­cord zu gehen. Das Marktforschungsinstitut Marketagent.com fand 2019 zusammen mit dem Entkalkungsspezialisten Durgol in einer Kaffeestudie heraus, dass hierzulande mehr Kaffee als Wasser oder Bier getrunken wird. Demnach liegt der Pro-Kopf-Konsum von Bier in Deutschland bei 102 Litern, von Wasser bei 150 Litern und Kaffee bei gar 152 Litern. Angst vor einer Dehydrierung durch übermäßigen Kaffeekonsum sieht in der Tat anders aus.

Auch der aktuelle Kaffeereport 2020 vom Handelsriesen Tchibo zeigt, dass Kaffee den Deutschen wichtig ist: Der Studie nach trinken 89,1 Prozent täglich Kaffee – im Durchschnitt 3,6 Tassen am Tag. Doch woher kommt unser Kaffee eigentlich? Wurde er fair und nachhaltig produziert? Fragen, die in der Kaufentscheidung eine untergeordnete Rolle spielen, wie eine Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research zeigt. Ausschlaggebend für den Kauf sind demnach vor allem Geschmack und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Höherer Informationsbedarf für mehr Nachhaltigkeit

Dennoch spielen laut Splendid Research für 30 Prozent der Kaffeetrinker auch faire Produktionsbedingungen und ein nachhaltiger Anbau eine Rolle. Der Tchibo Kaffeereport spricht von 34,1 Prozent der Befragten, die täglich nachhaltigen Kaffee trinken. In Zukunft wird dieses Marktsegment an Bedeutung gewinnen, prognostiziert Thilo Kampffmeyer, Leiter Eigenstudien bei Splendid Research: “Innerhalb der nächsten Jahre ist mit einer weiteren Sensibilisierung der Kaffeetrinker für ökologische und ethische Fragen zu rechnen. Produzenten und Hersteller, die diese Entwicklung frühzeitig im Blick behalten, können davon mittelfristig profitieren.”

Doch was macht einen nachhaltigen, fair gehandelten Kaffee aus? Für Verbraucher ist es nicht immer einfach, die verschiedenen Siegel auf den Produktverpackungen zu durchschauen. Die Begriffe “fair” oder “fairer Handel” sind nicht geschützt. Deshalb existiert auch kein einheitliches Siegel für faire Produkte. Allerdings gibt es eine internationale Dachorganisation für fairen Handel, die World Fair Trade Organization (WFTO). Hier haben sich mehr als 370 Organisationen aus über 70 Ländern zusammengeschlossen.

Laut dem deutschen Verband des Fairen Handels gelten für die zertifizierten Produkte gewisse Grundsätze in Sachen Produktionsbedingungen. Dazu zählen:

keine Ausbeutung und Diskriminierung (Kinder- und Zwangsarbeit sind beispielsweise verboten), Nachhaltigkeit und Umweltschutz (natürliche Ressourcen werden geschützt, Pestizide sind zum Beispiel verboten), langfristige Förderung und Hilfe (benachteiligte Länder werden unter anderem auch durch das Errichten von Brunnen, Schulen oder Krankenhäuser unterstützt).

Im Vordergrund stehen vor allem soziale Aspekte und nicht der Umweltschutz, wie es beispielsweise beim EU-Bio-Siegel der Fall ist. Der Zusatz “Bio” ist gesetzlich geschützt, die Produktionsbedingungen in den Herstellerländern werden dabei aber kaum berücksichtigt.

Fairen Kaffee finden und erkennen

Doch wie erkennt man nun fair gehandelte Kaffeeprodukte? Und wo findet man sie? Das Forum Fairer Handel formuliert weitläufig: “Produkte aus fairem Handel erkennen Sie am Verkauf in Weltläden, an den Marken anerkannter Fair-Handels-Importeure, an dem Label der World Fair Trade Organization (WFTO) und an den anerkannten Produktsiegeln des Fairen Handels.”

Weltläden bieten ausschließlich fair gehandelte Lebensmittel und Handwerksprodukte an – es gibt rund 800 dieser Geschäfte in Deutschland. Hier wird auch fairer Kaffee angeboten. Außerdem gibt es Unternehmen, die ausschließlich fair produzieren. Ihre Produkte sind in Weltläden, aber auch in Bio- und Naturkostläden sowie in manchen Supermärkten zu finden. Dazu gehören beispielsweise El Puente, Weltpartner und Gepa. Weitere Unternehmen sind im Lieferantenkatalog des Weltladen-Dachverbands aufgeführt.

Auf diese Siegel sollten Sie achten

In Deutschland ist das Fairtrade-Siegel wohl das bekannteste Siegel für fairen Handel. Produkte, die dieses Siegel tragen, müssen nachweislich die Kriterien von Fairtrade International einhalten.

Ebenfalls weit verbreitet ist das Naturland Fair-Siegel. Die Produkte entsprechen nicht nur den Naturland-Anforderungen für ökologischen Landbau, sondern auch den fairen Handelskriterien. Naturland setzt bei Kaffee auf faire Partnerschaften unter anderem mit Gepa und Weltpartner – die Produkte sind fast überall im Handel zu finden.

Vor allem in Bio- und Naturkostläden trifft man oft auf Kaffeeprodukten mit dem Fair for Life-Siegel. Es zertifiziert Produkte, die unter sozial verantwortlichen Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette entstanden sind.

Das Fairtrade-Siegel vom Naturkostvorreiter Rapunzel nennt sich “Hand in Hand”. Die Kriterien wurden bereits Anfang der Neunzigerjahre entwickelt – 1992 kam dann das Logo. Im Sortiment sind nur rund 100 Produkte, darunter auch Kaffee. Stiftung Warentest attestiert dem Hand-in-Hand-Siegel eine hohe Aussagekraft, es vereine bio und fair. Den fairen Rapunzel-Kaffee finden Feinschmecker jedoch ausschließlich im Naturkost-Fachhandel (Bio-Läden, Reformhäuser oder Bio-Supermärkte) oder im Onlineshop.

UTZ und Rainforest Alliance gehören jetzt zusammen

Wer viel Kaffee kauft, wird auch das Siegel von Rainforest Alliance und das UTZ-Certified-Siegel schon entdeckt haben – gemeinsam kommen sie auf über 36.000 Produkte. 2016 kritisierte Stiftung Warentest, dass das Rainforest-Alliance-Siegel vor allem den Massenmarkt erreichen will, jedoch wenig Wert auf biologischen Anbau legt und den Produzenten keine Mindestpreise garantiert. Durch geringe Ansprüche leide die Aussagekraft des Siegels, befanden die Tester.

So erging es auch dem UTZ-Certified-Siegel: Begrenzte Aussagekraft aufgrund von wenig anspruchsvollen Kriterien – zum Beispiel erhalten die Produzenten auch hier keine Mindestpreise für ihre Waren. Dennoch gilt: Besser als kein Siegel sind beide in jedem Fall. 2018 schlossen sich Rainforest Alliance und UTZ zusammen, die neue Organisation wird bald nur noch den Namen Rainforest Alliance tragen – während der Übergangsphase laufen beide Programme aber weiter. Mittlerweile sind im gemeinsamen “2020 Zertifizierungsprogramm” auch schärfere Kriterien festgelegt.

Fazit: Faire Produkte brauchen einheitliches Siegel

Das alles zeigt: Verbraucher haben es nicht leicht im Siegeldschungel. Ein einheitliches Gütezeichen mit klaren Kriterien würde Verbrauchern nicht nur das Suchen ersparen, sondern vor allem die Unsicherheit und Verwirrung nehmen – nicht nur bei Kaffee.

Von David Sander/RND