Zukunft der Mobilität

Viva Las Vegas? Elon Musks „Loop“-Tunnel begeistern und befremden Messegäste

Der Las Vegas Convention Center Loop: CES-Besucher benutzen die Tesla-Röhren zwischen den Messehallen. Im ersten Jahr nach der Pandemie hatte die CES über 100.000 Gäste.

Der Las Vegas Convention Center Loop: CES-Besucher benutzen die Tesla-Röhren zwischen den Messehallen. Im ersten Jahr nach der Pandemie hatte die CES über 100.000 Gäste.

Bei der ersten CES (Consumer Electronics Show) nach der Pandemie gibt es für Besucher eine Zäsur für den Verkehr von Las Vegas und – glaubt man dem Techmilliardär Elon Musk – für den der ganzen Welt zu begutachten. Und auch selbst zu erproben. Bei der Messe in der Wüstenstadt, die am 4. Januar das Technikjahr 2023 eröffnete, war für die Besucher stets langes Laufen (oder Fahren) angesagt.

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Alle Events der CES sind quer über die Stadt verteilt, viele der Techneuheiten werden in den glamourösen Hotels des Las Vegas Strip präsentiert. Autos verstopfen dann die Straßen: Wer nicht gut plant, für den ist der Stau der Hauptaufenthaltsort. Für Abhilfe will Elon Musk sorgen – mit seinem „Las Vegas Loop“. Über Tunnels, in denen Elektroautos fahren, werden allerdings zunächst nur die vier Messehallen des Las Vegas Convention Centers verbunden.

Abgasfrei in Tunnels – am besten nimmt man dafür einen Tesla

Man fährt in den Tesla Modellen X und Y durch die Messeröhren. Der „Las Vegas Convention Center Loop“ (LVCC Loop) ist natürlich auch ein doppelter Werbecoup des Techmilliardärs und Tunnelunternehmers Musk, mit dem gezeigt werden soll, dass das abgasfreie Automobil vorzugsweise seiner Marke das ideale Transportmittel ist, um den Verkehr der Zukunft unter die Erde zu verlegen. Die CES wird zum Wegweiser in eine neue Zeit der Mobilität. Bei der Messe des Vorjahres mit ihren ob der Pandemie dürftigen Besucherzahlen wurde der Loop erprobt, 2023 nimmt er jetzt richtig Fahrt auf. Massentransport im ersten Post-Corona-Jahr – der Stresstest.

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Klaustrophobisch veranlagt darf man dabei nicht sein. Die beiden 3,7 Meter breiten Röhren – pro Fahrtrichtung gibt es eine – sind bedrückend eng, wie man Videos entnehmen kann, die während der Fahrt aufgenommen wurden und bei Youtube gesichtet werden können. Es scheint, als fahre man endlos durch einen permanent die Beleuchtungsfarbe ändernden Kernspintomografen, in dem man in sicherem Abstand die schwarze Silhouette und die Rücklichter des vorausfahrenden Tesla sieht.

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Der preisgekrönte amerikanische Techjournalist und Ingenieur Seth Weintraub ist einer von denen, die die Kamera während der Fahrt laufen ließen. Weintraub wundert sich während des knapp zweiminütigen Filmchens, das er auf Twitter postete, im Gespräch mit dem Fahrer, warum bei so einer ideal anmutenden Strecke noch Menschen am Lenkrad nötig sind, wo doch autonomes Fahren einer der immer wieder angeführten Tesla-Trümpfe sei. Der Fahrer erklärt, es fehle an geeigneten elektronischen Sensoren an den Übergängen zwischen Röhren und Haltestation. Und nein, er würde nicht einmal zur Probe auf Selbstfahren umswitchen. Das sei ihm untersagt.

Der Tunnelchauffeur dient auch der Beruhigung

Dabei dient der Fahrer – absichtsvoll oder nicht – natürlich auch der Beruhigung der Mitfahrenden. Beim Surren durch den immer gleich wirkenden Tunnel, in dessen sanfter Schlangenform nirgends Rettungsschächte oder Notausgänge zu erkennen sind und bei dessen Enge einem unweigerlich Unfallszenarios durch den Kopf geistern, kann man sich so an einer Stimme festhalten, deren unaufgeregter Klang einem vermittelt, dass diese Fahrt längst Routine ist. Ohne Fahrer käme man sich eher verloren vor. Zu viel Science-Fiction auf einmal.

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Das Versprechen von Musks Boring Company scheint zunächst erfüllt: Der bislang 2,7 Kilometer lange „Las Vegas Convention Center Loop“ (LVCC Loop) verbindet den südlichen mit dem westlichen Teil des Messegeländes. Drei Haltestellen hat der Transportweg, die oberirdische Laufzeit von 20 Minuten zwischen zwei Hallen wird angeblich auf zwei Minuten verkürzt. Mit bis zu 65 Stundenkilometern können sich die Limousinen bewegen.

Statements in den sozialen Medien: Die Kritik überwiegt

Der Haltepunkt, an dem Weintraub aussteigt, hat dann eher den Charme einer großstädtischen Busstation. Alles scheint glatt zu laufen, doch es gibt auch andere Berichte – vor allem über Staus im sogenannten Schleusenbereich. Leute steigen aus, stehen auf der Fahrbahn herum, halten den Verkehr auf. Ausreichend Sicherheitspersonal ist da, solche Verzögerungen zu verunmöglichen oder doch zumindest zu minimieren.

Die Urteile in den sozialen Medien fallen unterschiedlich aus. Einige Euphorie über Optik und Zeitersparnis ist durchaus zu finden. „Viel mehr, als man sich vorstellen kann“, twittert ein japanischer Messegast und glaubt im Loop „Bilder aus Zukunftsfilmen“ zu entdecken. „Im besten Fall ist es ein Rummelplatz“, äußert sich dagegen der Ingenieur Nick Piggott bei Twitter kritisch. „Schlimmstenfalls ist es eine furchtbare Ablenkung von der Entwicklung eines nachhaltigen, skalierbaren Verkehrssystems.“ Und: „Siri, zeig mir die unnützeste Nutzung von Raum, Infrastruktur und Arbeit“, feixt Jarrett Walker, Autor des Sachbuchs „Human Transit“.

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Warum Tunnelautos, wenn es doch U-Bahnen gibt?

Jedem Laien, der sich die Discotunnelvideos besieht, fällt irgendwann ein, was nicht nur Juan Nunez in einem Tweet anspricht: „Die Idee der Boring Company für den ‚Las-Vegas-Loop’ war buchstäblich die: ‚Was wäre, wenn wir Zugtunnel hätten, die aber nur jeweils ein Auto befördern könnten?‘“

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Schon seit vor etwas mehr als anderthalb Jahrhunderten die Londoner U-Bahn im Tower Subway die Themse unterfuhr, sind Züge in Röhren effizient unterwegs. Nunez verweist darauf, dass durch innovative U-Bahn-Konzepte weit mehr Personen befördert werden könnten als durch E-Automobile. „Baut Züge“, sagt der New Yorker. „Ein gutes Zugsystem kann täglich Millionen Menschen transportieren.“

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Der faszinierende „LVCC Loop“ hat also etwas offenkundig Unkluges. Wobei Musk von seinem Konzept des U-Individualverkehrs besessen scheint und Gegenargumente, die Verlegung des Kfz-Aufkommens in Röhren würde den Verkehr nur unsichtbar machen, Mobilitätsprobleme aber nicht wirklich angehen, nicht gelten lassen will. „Entweder der Verkehr für alle Zeiten oder Tunnels“, ist das Credo des zweitreichsten Menschen der Welt, das er im November in die Welt twitterte, als er noch der reichste war.

Der Gesamtplan für Musks ‚Las-Vegas-Loop’: 24 Kilometer Röhre, 51 unterirdische Haltestellen, bei denen Flughafen und die großen Hotels und Casinos (die Orte der CES-Einzelpräsentationen) verbunden werden. 57.000 Passagiere sollen nach kompletter Fertigstellung pro Stunde befördert werden können. Auf 50 Jahre ist der Vertrag zwischen Stadt und Musks Boring Company abgeschlossen.

Musk träumt längst von Tunneln auf anderen Planeten

Dessen Vision geht über Vegas und Amerika hinaus, reicht sogar unendlich viel weiter – ist unterirdisch und außerirdisch zugleich. Seine Tunnel sieht Musk längst im Einsatz bei der Kolonisation des Nachbarplaneten. „Ich denke, gut im Tunnelgraben zu werden, könnte wirklich hilfreich für den Mars sein“, wurde er bereits 2017 im Tech-Onlinemagazin „Inverse“ zitiert.

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Die Boring Company selbst betrachtet ungleich bescheidener zunächst mal ihren gegenwärtigen „LVCC Loop“ mit Stolz. Und vermeldete am letzten Messetag, dem 8. Januar auf Twitter den Erfolg in Zahlen: „Gestern transportierte die LVCC Group 44.648 Fahrgäste, 3721 pro Stunde.“

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