Freitag , 18. September 2020
Michèl Pauly sitzt weiter im Rat. Der Wahlkampf aber blieb für den Chef der Linken nicht folgenlos, und zwar wegen dieses Wahlplakats. Montage: jj

Pauly und die Plakat-Affäre: Ende eines Misstverständnisses

Lüneburg, 19. September

Zu und zu schön wäre es doch, wüssten die Lüneburger, was sich die Manzkes erhofft haben, als sie Michèl Pauly, Chef der Linken im Rat, in ihre Reihen holten. Wer er ist, wie er denkt, wusste sie schon genau. Schließlich sitzt der Patriarch Eberhard Manzke im Rat wie Pauly, nur auf der anderen Seite – für die CDU.

Doch die Manzkes  äußern sich nicht, schließlich handelt es sich um eine Personalie. Das ist einerseits richtig und gut, andererseits festigt es die öffentliche Wahrnehmung, dass sie Pauly vor die Tür gesetzt haben, weil die Linke im Wahlkampf einen noblen Manzke-Bau als Deko für ein satirisches Wahlkampfplakat missbrauchte.

Den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. War die Plakat-Affäre tatsächlich Auslöser für den Rauswurf oder nur ein Vorwand, Pauly loszuwerden? Oder hat der Linke gar gezielt, was er öffentlich verneint, die Luxus-Wohnungen auf der alten Nordlandhalle als Motiv genutzt, um sich einer ungeliebten Stelle zu entledigen? Fehlt den Beton-Spezialisten der Humor, ist der Pauly verschlagen?

Wer einen  stadtbekannten Politiker der Linkspartei einstellt, stellt entweder die Qualifikation vor die Gesinnung, prima. Setzt auf Annäherung durch Wandel, ungewiss. Versucht eine Domestizierung, in diesem Fall unwahrscheinlich. Oder hofft auf das Image eines weltoffenen liberalen Arbeitgebers. Das war dann Selbstüberschätzung.

Ich vermute, das alles war vielmehr schon im Anfang ein Missverständnis. Das hat nur, weil eben jedem Anfang ein Zauber inne wohnt, keiner gleich gemerkt.

Hans-Herbert Jenckel