Freitag , 23. Oktober 2020

Die CDU-Fraktion im Lüneburger Rat: runderneuert, aber weit entfernt von der Quote

Die CDU-Fraktion heute und vor fünf Jahren.

Die CDU-Fraktion heute und vor fünf Jahren.

Lüneburg, 13. September

Niels Webersinn sieht in seinem blauen Blazer mit Einstecktuch immer noch wie einer von der Jungen Union aus. Aber er hat Ellenbogen, und er hat sie eingesetzt und sich nach vorne gedrängelt.  Über die Methoden mögen Unionisten trefflich streiten und in Rage geraten. Vielen altgedienten Christdemokraten passt ja die ganze Linie nicht. Es gab Schmähbriefe und üble Anwürfe. Denn Webersinn hat offensichtlich auch weggebissen.

Aber, er hat geschafft, was seine Vorgänger mal behutsam, mal ohne Überredungskunst versucht haben, die Fraktion wirklich zu verjüngen. Sie sind mit der Mission gescheitert. Das gelang Eckhard Pols nicht und schon gar nicht Bernd Althusmann, dem neuen starken Mann der Niedersachsen-CDU und Ministerpräsident-Kandidaten in Wartestellung.

Nur Webersinn und Dr. Gerhard Scharf sind von der alten Fraktion übrig. Partei-interne Feuer muss Webersinn noch austreten, und er bietet noch genug Angriffsfläche. Denn er muss erst eine Fraktion formen und das Scherbengericht steht noch aus.

Allerdings: In einer Gruppe mit der SPD oder auch noch der FDP würde diese verjüngte Fraktion die Ratslehrjahre im Eiltempo durchlaufen und Webersinn müsste, wenn er denn nicht das Schicksal der Grünen erleiden will, schnell Format gewinnen.

Gründlich misslungen ist die Quote.  2011 lag sie in der CDU-Fraktion bei idealen 50 Prozent, dieses Mal  sind zwei von neun Fraktionsmitgliedern weiblich: 22 Prozent.  Auf den Listen standen deutlich mehr . Aber die Frauen haben sich bei den Wählern nicht durchgesetzt. Jetzt haben Webersinn und die CDU-Frauen fünf Jahre Zeit darüber nachzudenken, was da schiefgelaufen ist.

Hans-Herbert Jenckel