Mittwoch , 28. Oktober 2020

Andreas Meihsies bleibt sich auch im Abgang treu

Lüneburg, 1. September 2016

Der Rückzug auf Raten ist beendet.

Er begann, als  Andreas Meihsies nach Demütigungen der großen politischen Bühne als Landtags- oder Bundestagskandidat den Rücken kehrte. Nach dem Dauer-Hickhack mit grünen Galionsfiguren im Kreis zog er auch die Zugbrücke zur Stadt hoch, Lüneburg wurde seine Öko-Burg.

Da hatte er als Bürgermeister und Fraktionschef im Rat einen Platz in der Tafelrunde des Oberbürgermeisters Ulrich Mädge. Ob ihm das gut getan hat, weiß nur er.

Andreas Meihsies ist, auch wenn er das nicht sagt, tief enttäuscht, ja getroffen. Enttäuscht von den Grünen, enttäuscht vom Oberbürgermeister, enttäuscht von der LZ, enttäuscht von mir persönlich, der ihn dreißig Jahre auf der Bühne der Kommunalpolitik in ganz verschiedenen Funktionen begleitet hat. Am Ende stand da eine große Entfremdung. Oder eben eine große Täuschung darüber, welche Rollen Politiker und Journalisten auch im kleinen Lüneburg haben – grundverschiedene.

In seiner großen Zeit, als er nach einem Machtkampf aus dem Schatten seines Ziehvaters Helmut Dammann trat, zeigte er treffsicher Gespür für Themen wie kein anderer Grüner, er hatte den Draht zur Zeitung . Er vertraute auf das Auf und Ab der Berichterstattung, auf gute und schlechte Schlagzeilen. Sein Bekanntheitsgrad wuchs mit jeder Attacke, und als Stimmenfänger für die Partei war er einsame Klasse. Außerhalb Lüneburgs wurde das nie so richtig honoriert. Politischer Paradiesvogel, ökologischer Heilsbringer, Provokateur vom Dienst, Koalitionspartner. Er hat viele Rollen ausgefüllt. Am besten war er immer in der Opposition, ohne die Fesseln der Macht.

Ganz eigentlich ist er ein guter Kerl, ein sensibler und zugleich fröhlicher Mensch und ein großzügiger. Aber er kann auch den Macho. Am Ende hat er seine grüne Hausmacht überschätzt und andere und deren Leidensfähigkeit unterschätzt. Sie haben ihn abgewählt.

Unterm Strich hätte er einen anderen Abgang verdient, das wäre schön, ist aber nicht sein Ding. Da bleibt er sich treu: Es muss schon knistern, also gibt er auch noch sein Parteibuch zurück. Schade.

Hans-Herbert Jenckel