Dienstag , 22. September 2020
Die fetten Jahre sind vorbei. Foto: jj

Die fetten Jahre sind vorbei

Lüneburg, 1. Juni

Ja, die fetten Jahre sind vorbei. Sicher. Die Zeichen mehren sich.

Die Kanzlerin legt für Lüneburger Event-Hallen sicher kein neues Konjunkturprogramm auf.

Der Innovations-Inkubator der Uni Lüneburg, einst hundert Millionen Euro schwer, hat längst sein Verfallsdatum überschritten. Die Uni zieht die Sparhosen an. Schon die Startwoche 2015, immer der Leuchtturm des Leuphana-Semesters, blinzelte, sagen Auguren, sparsam wie eine 25-Watt-Energiesparlampe.

Die Industrie- und Handelskammer muss sich statt auf Morgengaben ihres Edel-Mitglieds VW auf magere Jahre einstellen und vermeldete erst einmal ein Millionenloch in der Kasse. Die Devise lautet: Sparen.

Die Europäische Union hat ihre einst üppige Förderung für die Region drastisch gekürzt.

Und die Stadt kann ihre Kredite nicht aus Überschüssen abtragen, ja muss zum Tilgen neue Kredite aufnehmen. Und das Land ruft immer: Sparen, sparen, sparen.

Hier wie da merkt man, dass sich die Administratoren in Kämmerei, Kammer und Uni-Kanzlei erst an die mageren Jahre gewöhnen müssen. Das ist so wie eine Woche Sonne an der Ostsee. Dann laufen alle am ersten kühlen Regentag noch in Shorts rum und holen sich einen Schnupfen, bevor sie sich warm anziehen.

Das Drama ist ja nicht, dass die fetten Jahre vorbei sind, das Drama ist, dass alle versprechen, dass sie in guten für magere Jahre vorsorgen. Wenn es dann soweit ist, sind alle bass erstaunt. Jetzt schon?

Die Uni muss zudem damit rechnen, dass es 2018 noch bitterer kommen kann. Der  Hochschulvertrag mit dem Land läuft aus. Nicht nur Pessimisten unken, danach gebe es weniger, fehle Geld für die Leuphana-Renommier-Startwoche, diese Keller-Spoun-Spielwiese, die das Studium in Lüneburg einzig macht. Parallel muss die Uni sehen, wie sie die beträchtlichen Betriebskosten für ihren dann hoffentlich eröffneten Libeskind-Bau deckt.

Und Präsident Sascha Spoun? Der spitzt vermutlich spätestens 2018 die Ohren, um den Ruf von noblen Alma-Mater-Adressen im Uni-Universum zu orten. Für so einen Champion (St. Gallen) kann Lüneburg nur eine Station sein und nicht die Rente.

Auch die Kammer muss sich auf eine längere Durststrecke einstellen. Der größte Beitragszahler, der VW-Konzern, muss erst mit ungeheuer vielen Milliarden sein Diesel-Desaster bereinigen. Die nächste Feier könnte dann statt mit hippen Foodtrucks vor St. Johannis doch eher im IHK-Foyer bei Herings-Happen laufen.

Ja, und die Stadt Lüneburg? Die kann nur hoffen, dass die Zinspolitik draußen in der Welt nicht so wetterwendisch wird wie der Sommer. Jeder Zinsanstieg birgt große Kreditrisiken.

Zum Schluss die gute Nachricht: Zum Glück, zum Glück sind das nur Konjunkturschwankungen, nach jedem Winter kommt wieder ein Frühling. Also gute Jahre. Dann können wieder alle versprechen, dass sie jetzt aber wirklich für die schlechten Jahre sparen.

So, nun vergessen Sie das Gezeter schnell: Sommerferien, Strand, EM und dann Wahlkampf. Keine Zeit für schlechte Nachrichten. Gott sei Dank.

Hans-Herbert Jenckel