Lüneburgs Kaufleute, Herr Zeinert von der Handelskammer und die Gewissenskonflikte

Lüneburg Landeszeitung LZ Chefredakteur Christoph Steiner
Lüneburg Landeszeitung LZ Chefredakteur Christoph Steiner . F: be

 

 

(Premiere im Blog.jj: Heute schreibt LZ-Chefredakteur Christoph Steiner über Interessenskonflikte. Den Blog.jj pflegt der Online-Chef und Geschäftsführende Redakteur Hans-Herbert Jenckel. Gastkommentare sind willkommen.)

 

 

 

Lüneburg, 3. Juni

Zum Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg gehören die Stadt Wolfsburg sowie die Landkreise Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Celle und Gifhorn. Die Kammer hat als eine Körperschaft öffentlichen Rechts die gesetzliche Aufgabe, das Gesamtinteresse der knapp 60.000 Gewerbetreibenden und Unternehmen in ihrem Einzugsgebiet wahrzunehmen.

Gesamtinteresse – das ist das Zauberwort. Eine Bevorzugung oder Zurücksetzung einzelner ist nicht vorgesehen, sondern vielmehr die Vertretung der gesamten Wirtschaft im IHK-Bereich.

Diese Verpflichtung hätte Michael Zeinert gemahnen können, vom Präsidentenamt beim Verein Lüneburger Kaufleute die Finger zu lassen. Er hat sich anders entschieden – mit dem Segen des Kammerpräsidiums für das Ehrenamt. Der IHK-Hauptgeschäftsführer läuft gleichwohl Gefahr gegen die Maßgabe der Neutralität bzw. Ausgewogenheit zu verstoßen und nährt zumindest außerhalb der Hansestadt Lüneburg den Argwohn, er habe in seinem Zuständigkeitsbereich durchaus Präferenzen.

 

Schließlich handelt es sich bei den gut 400 Mitgliedern des von ihm geführten Kaufleutevereins vorwiegend ebenfalls um Gewerbetreibende, die der kammerlichen Beitragspflicht unterworfen sind.  Argwohnentkräftend wirkt in dem Zusammenhang wohl auch die "Kaufhaus Lüneburg"-Anzeige (Seite 7/LZ-Ausgabe 2. Juni 2016) nicht, in der Michael Zeinert die Vorzüge der Einkaufsstadt mit warmen Worten preist.

 

Der IHK-Obere hat es bestimmt gut gemeint, das sollte man ihm zubilligen. Er hat den Kaufleuten, die für ihre Spitze aus den eigenen Reihen offenbar niemanden auf die Beine bringen, aus der Bredouille geholfen. Aber gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Denn auch der Apparat, den so ein Kaufmannspräsident zur Erfüllung seiner Aufgaben und für die ganze Logistik braucht, speist sich – davon ist auszugehen – aus dem Kammerfundus. Spätestens da gesellt sich zur Personalunion der Interessenskonflikt.

Christoph Steiner