Donnerstag , 13. August 2020

Lüneburgs Stadtmarketing rutscht im Sparmodus in die Flaute

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

 

(Den Blog.jj schreibt der Online- und Lokal-Chef, der Geschäftsführende Redakteur Hans-Herbert Jenckel, Kürzel jj)

 

 

Lüneburg, 23. Mai

Lüneburg hat Schlag bei Besuchern, nicht wegen des Stadtmarketings, sondern trotz des Stadtmarketings.

Das Marketing muss nämlich mangels Masse eine künstlerische Pause einlegen. Es arbeitet im Sparmodus und der neue Geschäftsführer Schrock-Opitz glänzt als Sparkommissar. Der Mann hat kein Geld für große Sprünge, weil seine Vorgänger mit Illusionen über die Illumination des Kalkbergs, des Rathauses oder der Stintbrücken und mit anderen Phantasmagorien den Betrieb in die roten Zahlen gewirtschaftet haben sollen. Schrock-Opitz ist jetzt so was wie der Schäuble von Lüneburg, ein kühl kalkulierender Kurator, der die Euros zusammenhält und auf Bewährtes setzt, und zwar in der Schmalspur-Variante.

So konnte er jetzt dem Wirtschaftsausschuss des Rates dank der Großzügigkeit von Gesellschaftern und Personal-Diät zumindest kalkulatorisch wieder ein Plus in der Bilanz 2015 präsentieren.

Aber ist das ein Grund für Applaus? Nein. Ein Stadtmarketing kann keine Mangelveranstaltung sein, die auf Hungerkuren und leise Töne setzt, sondern kann nur eine Werbetrommel sein, die über die Republik hinaus gehört wird. Da zeigten sich die Lokalpolitiker viel mehr nur ganz in ihrem Element, der Kurzsichtigkeit. Statt zu mahnen, lobten sie.

Dabei ist das Potenzial an Touristen riesig, das noch für die Salzstadt zu gewinnen ist. Bei einer aktuellen Erhebung der „Hidden Champions“ der Branche taucht Lüneburg nicht auf. Boltenhagen, Büsum oder gar Bispingen haben in der Statistik pro Einwohner zwischen 380 und 160 Übernachtungsgäste im Jahr. Lüneburg kommt gerade mal auf gut 4. Da geht noch was. Und es gilt: Gerade wenn die Not am größten ist, zeigt sich, ob in einem Marketing-Profi auch ein Kreativ-Kraftwerk steckt.

Lüneburg hat zwar die Telenovela „Roten Rosen“ als Image-Botschafter, aber um Gäste in der weiten Welt anzusprechen, fehlt der Hansestadt der Titel Weltkulturerbe als Versprechen für Einzigartigkeit. Versuche gab es, Gründe genug auch, aber Lüneburg war zu spät dran mit der Bewerbung. Und wer zu spät kommt, den ignoriert die UNESCO. Wismar hat das Siegel, Stralsund hat‘s, Lübeck hat’s, Lüneburg nicht. Lüneburg muss deswegen mehr gute Ideen entwickeln, um im Rennen um gerade internationale Besucher dauerhaft zu punkten.

Wenn aber das Geld und die Ideen für Lüneburg-Werbung tatsächlich fehlen, sollten die Politiker richtig übers Gesundschrumpfen nachdenken und anstelle des Stadtmarketings wieder ein kleines und billigeres Fremdenverkehrsamt ins Leben rufen.

Die zweite Aufgabe, die Förderung des Innenstadt-Handels, hat längst das „Lüneburger Citymanagement“ mit ihrem allgegenwärtigen Boss Heiko Meyer, der grauen Eminenz der Rosenkönigin,  treuhänderisch übernommen. Und wenn Meyer nach der Kommunalwahl im September auf SPD-Ticket in den Rat einrückt, wäre er der geborene Wirtschaftsausschuss-Vorsitzende und als solcher auch der politische Aufseher über den Tourismus-Sektor der Stadt.

Über den kleinen Umweg könnte er seinen einst anvisierten Traumjob ganz neu ins Auge fassen oder besser beaufsichtigen. Er hatte sich schließlich schon mal als Stadtmarketing-Geschäftsführer empfohlen. In diesem Fall gilt im wahrsten Sinne: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Meyer.

Hans-Herbert Jenckel