Lüneburgs rot-grüne Visionen vom Rad verstauben im Koalitionsvertrag

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

 

(Den Blog.jj betreibt Hans-Herbert Jenckel, Online-Chef  und Geschäftsführender Redakteur der LZ . Sein Kürzel in der Zeitung ist jj. Gastkommentare sind willkommen.)

 

 

 

Lüneburg, 13. April

Wann demonstrieren eigentlich die Radfahrer, weil  es in der Lüneburger Innenstadt viel zu wenig sichere Abstellplätze gibt?  An Sonnabenden ist das Chaos zu erleben, am besten vor Karstadt oder der Buchhandlung am Markt oder der Sandpassage am Sand. Dort parken die Räder am Bürgersteig so eng, dass kaum ein Durchkommen mehr zu den Läden  ist.

Und wer trägt die Verantwortung: Im Positiven die Lüneburger, die dem Ruf der Politik gefolgt und aufs Rad umgestiegen sind. Im Negativen: wieder die Politik. Denn Eckpfeiler der rot-grünen Verkehrspolitik zum Rad existieren bis kurz vor der nächsten Kommunalwahl nur auf dem Papier.

An Ampeln sollte die „Vorrangschaltung“ für Radler  „optimiert“ werden. Wenn es eine Art Vorrangschaltung überhaupt in Lüneburg gibt, dann könnte das an der Scharff-Kreuzung so interpretiert werden.

Waren Sie schon mal in der Mobilitätszentrale in der Parkpalette „Am Rathaus“? Nein? Wie auch. Sie existiert nur auf dem Papier.

Die Freigabe von Einbahnstraßen für Velos wäre eine generelle Aussage. Allein, es reichte der Mut nur, so etwas in einem Papier anzudeuten, das geduldig verstaubt.

“Eine zukunftsfähige Mobilität verbunden mit einem geringeren innerstädtischen Verkehrsaufkommen, einer Mobilität der kurzen Wege und geringem Energieverbrauch. Nur so ist Mobilität wirtschaftlich effektiv, damit auch sozial und zugleich umwelt- und klimaschonend.“ Klingt das nicht schön? So steht es im Vertrag von Rot und Grün. Dort ist die Vision geparkt. In der Realität ist die Zahl der Kfz im Kreis Lüneburg rasant weiter gestiegen um gut 15 Prozent in acht Jahren auf heute gut 135 000 Kfz.

Es ist an der Zeit, die Brille zu wechseln. Die aus dem Blickwinkel der Automobilisten getriebene aktuelle Diskussion um die Parkgebühren offenbart vor allem eines: In  Lüneburg vertragen sich Anspruch und Wirklichkeit bei nachhaltigen Verkehrssystemen noch lange nicht.

Solange wir über mehr Parkraum in der Innenstadt reden, solange ist Lüneburg auf dem Benzin-Weg. Und der ist endlich.  Solange der Rad-Beauftragte als Einzelkämpfer im Rathaus sitzt, kann von ernsten Absichten kaum gesprochen werden.

Statt in Asphalt sollte die Stadt viel innovativer auf moderne und umweltschonende Fortbewegungsmittel setzen. Mehr Leihräder, mehr Leihautos.  Elektromobile sind in LG eh noch Exoten, ein „Local-Buy-Transport“-System noch Utopie.  Prämien für die Abschaffung eines Autos und die Freigabe eines Parkraums undenkbar.

Dabei ist der  Zeitpunkt für Experimente günstig wie nie: Lüneburg, die Salzstadt, die Rote-Rosen-Stadt, die Hansestadt ist so attraktiv, dass sie die Besuchermassen manchmal nicht mehr zu fassen vermag.  Lüneburg könnte aber noch schöner sein, wenn die alte Salzstadt in die Liga der Zukunftsstädte aufsteigen würde mit Fortbewegung mit minimalem Schadstoffausstoß. Das passte dann auch zu einer Uni, die die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts formen will, dass passte zu den Visionen für das Projekt „Lüneburg 2030+“. Doch die Gefahr ist groß, dass die wie das Koalitionspapier Staub ansetzen.

Hans-Herbert Jenckel

Mail: jj@landeszeitung.de