Donnerstag , 1. Oktober 2020

Wann fährt der Servicegeist ins Bauamt des Landkreises Lüneburg?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

 

 

(Den Blog.jj schreibt Hans-Herbert Jenckel, Online-Chef und Geschäftsführender Redakteur der LZ, Gastkommentare sind willkommen.)

 

Lüneburg, 24. März

Ein Amt oder eine Behörde bleibt solange ein Amt oder eine Behörde, wie der Servicegeist nicht in die Mitarbeiter fährt und sie bekehrt. Solange halten sie sich an Gesetzen, Erlassen und Verordnungen fest oder warten auf neue Gesetze, Erlasse und Verordnungen.  Oder sie beschäftigen sich damit, Gutachten zu vergeben, um dann auf die Gutachten zu warten.

Die preußischen Gene sind stark in uns.

Zum Glück, weil Recht und Gesetz einen hohen Stellenwert genießen müssen, sie sind Stützen unserer Gesellschaft.

Zu unserem Pech, weil Verkalkung und Verknöcherung den Apparat oft fast zum Stillstand bringen und uns in Verzweiflung treiben.

Wo aber der Servicegedanke in die Mitarbeiter fährt, spüren es die Bürger und Bürgerinnen unmittelbar, und es führt über kurz oder lang zu einer neuen Sicht auf Verwaltungen. Doch es reichen in der Regel ein oder zwei Beamte alten Kalibers, um die Mühe von Monaten vergebens scheinen und die Klischees wieder aufleben zu lassen.

Ein Klassiker zur Verfestigung von Vorurteilen wäre in Lüneburg das Finanzamt – eigentlich. Ich aber habe dort so freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter erlebt wie in kaum ein anderen Behörde, und das schon seit Jahren. Mein Bild hat sich gewandelt.

Was nun gerade dem Landkreis Lüneburg widerfährt mit der heftigen Kritik an seinem Bauamt, das als „Bauverhinderungsbehörde“ bespöttelt wird, das kommt nicht von ungefähr, das ist gewachsen.

Die Offenheit aber, mit der Landrat Nahrstedt und sein Vertreter Krumböhmer die Sachlage umschreiben, wäre ein K..-o.-Kriterium in jedem Zeugnis. Ich zitiere: „Die Kollegen im Bauamt müssen gewohnte Wege verlassen.“ „Wir suchen eine Person, die die Arbeit im Bauamt aus der Praxis kennt und die die Entscheidungsfreude der Mitarbeiter stärkt.“  Der Umkehrschluss ist ein vernichtendes Urteil.

Bevor man solche Sätze raushaut, sollte die Behördenleitung vielleicht einmal innehalten,  zum Telefonhörer greifen und einen Coach engagieren. Mir ist gerade diese Redensart mit dem Fisch entfallen.

Hans-Herbert Jenckel