Sonntag , 27. September 2020

Quo vadis Andreas Meihsies?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj schreibt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Gastkommentare sind erwünscht)

 

Lüneburg, 29. Februar

 

Was macht einer, der ein großes Ego hat und dem das Trauma der Demütigung wie ein Kaugummi am Hacken klebt. Was macht einer, wenn er der bekannteste Grüne der Stadt ist, einer, der für seine Partei in Lüneburg zuletzt das beste Ergebnis der Geschichte eingefahren hat, fast 30 Prozent, und der von seiner Partei jetzt verstoßen wird. Vielleicht, wenn Wut,  Zorn, Ohnmacht oder Rachegefühle verflogen sind, nachdenken und nicht gleich auf Attacke umschalten.

Der tiefe Fall des Andreas Meihsies ist nicht nur das Ergebnis einer Machtprobe zwischen der Parteibasis und dem Fraktionschef und Bürgermeister im Rat gewesen. Er ist der Schlussakkord einer Entfremdungsgeschichte, des Kleinkriegs zwischen  Stadt- und Kreis-Grünen oder zwischen Miriam Staudte und Andreas Meihsies oder zwischen Claudia Schmidt und Andreas Meihsies. Zu viele Fronten. Er folgt dem Verlust von guten Nachwuchspolitikern, die verschreckt wurden, weil ein alter Fahrensmann vielleicht zu oft den Macho gegeben hat. Schon bei der Landtagswahl 2013, als er bei der Listenaufstellung abgestraft wurde wie schon bei der Bundestagswahl ein paar Jahre zuvor, sagte Meihsies bei seinem Rückzug: „Die Partei hat offenbar kein Interesse mehr an meiner Person.“ Ernsthafte Konsequenzen außer Groll waren nicht erkennbar.

Was nun?

Wenn das Ego siegt, spaltet Andreas Meihsies die Grünen und tritt solo oder mit alten Verbündeten zur Kommunalwahl an. Das schwächt mit Sicherheit die Fraktion, ein Sitz ist ihm zuzutrauen, das trüge den grünen Guerillakampf weiter tief in den Rat. Das wäre fatal.

Wenn die Vernunft siegt, dann nimmt er die Hand an, die ihm der Ortsverein reicht. Auf  der Homepage der Grünen steht aktuell zu lesen: „Trotzdem ist natürlich die Abwahl des Fraktionsvorsitzenden Andreas Meihsies eine Zäsur in der Geschichte der Lüneburger Grünen. Der Ortsvorstand ist jedoch zuversichtlich, dass Andreas mit seiner Erfahrung und seinem Wissen hilft, die starke Position der Grünen in der Lüneburger Parteienlandschaft zu bündeln, zu festigen und auszubauen.“

Wenn er das nicht mag, das Leben ist ja mehr als Politik.

Die neue grüne Fraktion nach der Kommunalwahl, will sie nicht ganz von vorne anfangen, wird die Erfahrung von gestandenen Ratsmitgliedern im lokalpolitischen Geschäft nutzen, sonst verlöre sie viel Zeit. Es könnte gut sein, dass einer wie Ulrich Blanck, der Stratege im Hintergrund, dann als Kapitän den Kurs vorgibt. (Das wurde wenige Stunden nach dem Blog-Beitrag Realtität).Er ist aber auch der Vertraute von Meihsies. Das könnte ein Segen, aber auch ein Fluch sein. Das hängt wieder von Andreas Meihsies ab, hinter dessen harter Schale ein guter und auch weicher Kern steckt.

Hans-Herbert Jenckel